Glück auf! – Keramik im Verdampfer

 

Staublunge durch Keramik-Verdampfer

High pressure from the vapor will expand and damage the structure of the porous ceramic material. Loose powders will fall off and go into the lung. Causing death

In conclusion, ceramic coils are not healthy. First, a ceramic coil is made from silica similar to glass. Second, ceramic powders or glasslike pieces easily fall off. Finally, silica powders may cause death. (UWELL)

Ganz abwegig ist das alles nicht. Man muss für sich selbst entscheiden, ob man das Risiko eingehen will.

Silikose will nun wahrlich keiner…

 

Ein altes Thema wurde vor nicht allzu langer Zeit durch eine Veröffentlichung, die vermutlich (ist nach meinem Kenntnisstand nicht gesichert, ich halte es aber für authentisch) von UWELL stammt, wieder hochgekocht: Gefahr durch Keramik im Verdampfer.

Ich will die sogenannte „Untersuchung“, die die Firma da gemacht hat (haben will) nicht explizit auseinandernehmen (die Aussagekraft ist, wenn man sich mit dem Thema befasst, ohnehin eher fragwürdig), aber das Resultat und die Schlüsse, die sie daraus ziehen sind – ganz lieb formuliert – ausgesprochen unseriös. Das hätte das dkfz. unter dem Regiment von „Monika“ nicht besser formulieren können.
Manche (ich gehöre dazu) vermuten, dass die ganze Sache eine Marketing-Aktion war… nun Marketing steht jedem Produzenten und Händler zu… aber man MUSS, wenn man etwas veröffentlicht, IMMER auch daran denken, was die Aussage (neben der erhofften verbesserten Platzierung am Markt) für Auswirkungen hat. Das haben die aber wohl nicht getan, denn die Veröffentlichung ihrer „Untersuchung“ incl. der von Ahnungslosigkeit zeugenden Folgerungen war natürlich wieder Wasser auf die Mühlen der Paranoiker, die vom Dampfen erwarten, reinen, partikel- und schadstofffreien medizinischen Sauerstoff atmen zu dürfen. Da wurde dann „Asbest“ als Vergleich herausgekramt… und durch das Weiterspinnen sehr viel Schaden angerichtet, denn unsichere Dampfer, Interessierte, Neulinge werden davon verunsichert oder gar abgeschreckt.

An mir ist das zunächst ein wenig vorbeigegangen, weil ich mich aus den Hochburgen der Panikorchester zurückgezogen habe… aber irgendwann kommt sowas dann trotzdem bei mir an. Und ich war entsetzt, was da wieder einmal losgetreten wurde. Also habe ich meine alten Kontakte herausgekramt, ein paar neue geknüpft und bin dran gegangen, die Sache mal aufzuarbeiten.

Die erste Frage, die sich stellt ist, wo und in welcher Form Keramik in Verdampfern vorkommt. Die ist ganz leicht zu beantworten… Keramik in Verdampfern gibt es schon sehr lange. Und man findet sie auch in zahlreichen Verdampfern, die nicht als „Keramik-Verdampfer“ verkauft werden. Schon in etlichen Köpfen der ersten Generation war häufig Keramik verarbeitet… isolierende Bereiche (Drahtdurchführungen, Basen etc.) waren sehr oft aus Keramik, weil diese einerseits eine isolierende Wirkung hatte und – im Gegensatz zu vielen Kunststoffen – ausgesprochen hitzeresistent ist. Als dann die Selbstwickler vom „goldenen Griechen“ auf den Markt kamen, war auch da die Keramik prominent vertreten.
Allerdings handelte es sich bei diesen Keramiken um (in der Regel) nicht sehr poröse Werkstücke mit verdichteter Oberfläche. Davon sind wir auch im täglichen Leben ständig umgeben (Küche, Geschirr…).

 

Spricht man hingegen von „Keramikverdampfern“ oder „Keramik-Coils“, dann ist damit ein etwas anderes Material gemeint. Es handelt sich bei der „Keramik“ in diesen Fällen um das „Dochtmaterial“… also den Teil, der die Heizwendel mit Liquid versorgt. Keramik hat den riesigen Vorteil, dass sie sehr hitzebeständig ist und nicht einmal durch einen Dryhit beschädigt werden kann. Ist die Keramik dann auch noch porös genug, so hat sie recht gute Kapillareigenschaften und kann auch eine ordentliche Menge an Liquid vorhalten. Bei solchen Keramiken ist die Oberfläche aber rau und ebenfalls porös… also ist es sinnvoll zu schauen, was genau mit diesen Elementen eines Verdampfers passieren kann. Die relativ glatten und stabilen Sockel und Isolatoren zu betrachten, wäre wahrlich lächerlich, denn kaum jemand schiebt Panik wegen unlasierter Teller und Tassen… aus gutem Grund.

Vorneweg einmal: Die verwendete technische Keramik ist ausgesprochen abriebfest.

Keramikdochte (so nenne ich nun vereinfachend die Teile, die für den Liquidtransport und auch als Basis für die Heizspirale dienen) haben also einige Vorteile, die ich ja schon erwähnt habe. Sie haben aber auch Nachteile. Selbst wenn das Material an sich mechanisch recht stabil ist, was den Abrieb anbelangt, so ist es dennoch ein spröder Werkstoff, der leicht durch Zug, Druck oder Scherung brechen kann. Als die ersten Keramikröhrchen als Zubehör für Selbstwickler in den Handel kamen, haben viele diese Nachteile schmerzlich erfahren müssen. So ein Röhrchen heil und ohne zu brechen oder zu zersplittern in die eigentliche Coil oder in die Dochtführung zu bekommen, war mehr Glücksache, als Können. Deshalb verschwand dieses Phänomen auch recht schnell wieder. Es gab immer wieder einmal Vorstöße einiger Hersteller von Verdampferköpfen, aber auch die hatten mit vergleichbaren Problemen zu kämpfen. Aber seit einiger Zeit scheint es funktionierende Herstellungsverfahren zu geben, so dass immer mehr Keramik-Verdampfer auf den Markt kommen. Von den Benutzern werden sie vor allem wegen eines weiteren Vorteils geschätzt… der Docht ist überaus geschmacksneutral.

Technische Keramik weist eine Mohs-Härte von 5 – 6 auf. Das liegt so auf der Härte von Zahnschmelz und darüber. Mit einer Stahl-Feile ist es ritzbar. Nur durch „Ritzen“ oder Reibung können größere Mengen an lungengängigen Partikeln entstehen.

Nun werden diejenigen „aufjaulen“, die schon einmal so ein Stück „Dochtkeramik“ in der Hand hielten…

„Das ist doch Quatsch! Das Zeug kann ich mit einem Buttermesser schneiden und mit dem Daumennagel zerbröseln!“

Und damit haben sie vollkommen recht. Die verwendete poröse Keramik weist sehr viele Lücken auf… sie ist fast wie ein Schwamm strukturiert. Zwischen den „Löchern im Käse“ befinden sich dann recht dünne Wände aus dem Keramik-Material. Übt man auf solch ein Werkstück mechanischen Druck auf, so wirken entsprechende Kräfte auf die „Wände“ und diese zerbrechen, weil Keramik in dieser Hinsicht halt sehr spröde ist.
Zerbröselt man also so einen Keramikdocht, so entsteht „Brösel“ mit verschiedenen Körnungsgrößen. Der weitaus geringste Anteil (< 5%) ist davon solch feiner Staub, dass er lungengängig ist und sich in den Aveolen ablagern kann. Der größte Anteil ist grobkörniger Staub bzw. fast schon „Kies“. Diese Teile finden in den Aerosol-Tröpfchen keinen Platz, um sich in die Lunge zu schummeln und sie können sich auch im trockenen Zustand nicht durch die Schutzmechanismen der Bronchien schleichen. Der „Feinstaub“, der gefährlich wäre, kann in größeren Mengen nur durch Abrieb entstehen… und da kommt dann die Mohs-Härte ins Spiel, die sehr groß ist. Es müsste also dauerhafte Reibung an den Flächen stattfinden, um viel Feinstaub zu erzeugen.

Wenn jetzt ein Hersteller mit „U“ anfängt, zu phantasieren und sagt, der bis knapp 360 km/h schnelle Luftzug würde Feinstaub-Material ablösen oder gelösten Staub tief in die Lunge schießen, dann ist das schlicht ein Hirngespinst. Luft- oder Dampfreibung löst keine messbaren Mengen an solchen Staub von der Keramik. Das einzige Feinstaub-Material, was in die Lunge kommen kann, wären Produktionsreste, die sich noch auf, an oder in dem Docht befinden.

Fakt ist, dass Feinstaub (Silikatstaub von der Keramik) inhaliert wird. Nun muss man sich einmal damit befassen, was denn die (vom Hersteller und Panikverbreitern) prognostizierte „Staublunge“ ist. Es handelt sich dabei um die Silikose, die sogenannte Silikatstaublunge. Diese Krankheit gibt es… als Bergbau noch ein großer Industriezweig war, litten viele Kumpels darunter, wobei es sich um eine Mischform handelte, wenn sie nicht im Erz- oder Gesteinsabbau, sondern im Kohlebergbau beschäftigt waren. Es handelt sich um eine anerkannte Berufskrankheit, die also vornehmlich bei Menschen auftritt, die in stark feinstaubhaltigen Umgebungen schuften müssen… Bergleute, Zementhersteller, Steinmetze und Edelsteinschleifer und alle die mit sehr feinem Sand sandstrahlen müssen. Da geht es aber nicht um Staubmengen, die von der Oberfläche eines winzigen Keramikstäbchens stammen, sondern um richtig große Staubwolken. Und diese Staubwolken bestehen dann auch nicht zu 100 % aus dem gefährlichen lungengängigen Teilchen, sondern nur zu einem gewissen Prozentsatz. Man erkrankt also nur, wenn man stets und ständig große Mengen solchen Staubs einatmet, der ausreichend kleine Partikel enthält.

Für den lungengängigen Silikatfeinstaub gibt es deshalb auch eine festgelegte MAK (maximale Arbeitsplatzkonzentration). Diese liegt bei 0.3 mg/m3. Also die Luft am Arbeitsplatz (an dem man sich stundenlang aufhält) darf bis zu 0.3 Milligramm Silikatfeinstaub pro Kubikmeter Raumluft enthalten. Das hört sich wenig an… ist es auch. Aber nun müssen wir mal schauen, wie viel Silikonfeinstaub denn aus einem durchschnittlichen Keramikdocht gewonnen werden könnte. Ein solcher Docht wiegt maximal so um die 250 mg. Das liegt an der ausgesprochen geringen Dichte poröser Keramik. Rechnet man ein wenig hin und her, nimmt ein maximales Zugvolumen von 1.5 Litern zur Grundlage, so müssten nach ca. 300 ml Durchlauf (also verdampftes Liquid) ca. 1/4 der Gesamtmasse des Dochtes zu 100% in lungengängigen Feinstaub umgewandelt werden, um diese MAK zu knacken. Merkt Ihr was? Zerrupft doch mal einen Verdampfer, wenn er hin ist, schrubbt den Docht mit der Zahnbürste unter fließendem Wasser und schaut mal, wie viel „Substanz“ er verloren hat. 1/4? Eher unwahrscheinlich… also mir ist sowas noch nicht untergekommen.

Selbst wenn ein Docht einmal durch Rütteln, Materialfehler oder Umfallen der Dampfe zerbricht, entsteht kaum Feinstaub… und der Verdampfer wird dann eh recht schnell ausgetauscht, weil er nicht mehr ordentlich funktioniert, wenn’s den Docht zerbröselt hat.

Und da schreiben die echt, es würde bei der Nutzung so viel Feinstaub inhaliert werden, dass es „tödlich“ sein könnte. Alles klar! Wer jetzt nicht auf einer Almhütte lebt, zieht sich in einer Stunde mehr Feinstaub (ok, kein reiner Silikatstaub… dafür aber auch andere, nicht minder gefährliche Substanzen) in die Lunge, als in der gesamten Lebensdauer eines solchen Verdampfers.

Es bliebe noch anzumerken, dass Phil Busardo Januar 2016 selbst die Vermutung äußerte, Keramikcoils könnten zu einer gesundheitlichen Belastung führen. Daraufhin hat er ein externes unabhängiges Labor mit einer Untersuchung beauftragt. Das Ergebnis war, dass bei den verwendeten Verdampfern (Vaporesso CC) keinerlei Feinstaubemission durch die Keramik festgestellt werden konnte.
Mich überrascht das Ergebnis nicht.

Da haben die mal fein für neue Panik und Hirngespinste gesorgt. Glückwunsch!

BTW: Wer keinen Feinstaub inhalieren will… also so gar keinen… der sollte das Atmen einstellen.

Das funktioniert 100-%ig! 😉


Quellen / Infos:

Mitteilung von UWELL
Technische Keramik
Technische Keramik
Poröse technische Keramik
Keramische Werkstoffe
Keramische Werkstoffe
Technische Daten pröser technischer Keramik
Mohs-Härte
Silikose
Silikose
MAK
Taste Your Juice /P. Busardo) – Untersuchungsergebnis

 

PepeCyB de

 

 

fuettern-erlaub-klein-500t
Glück auf! – Keramik im Verdampfer
5 (100%) 2 votes
  • Viel Mühe und klasse aufgedröselt. Vielen Dank.

    Dass es sich um eine miese Marketingmasche handelte, haben ja viele von uns sowieso sofort vermutet und man war eher erstaunt über die Dreistigkeit. Nun wissen wir obendrein, wie sich die Sache tatsächlich verhält.

    Nicht nur für Außenstehende und ggf. Dampf-Einsteiger ist dies daher ein sehr wichtiger, hilfreicher Artikel.

  • Ulli

    Ich dampfe gern es macht mir spass und ich lasse mir das von niemanden vermiesen

  • Ulli

    Ich glaube nicht an die panikmacher. Mein Freund hat 40 Jahre lang geraucht und hat innerhalb von einem Monat aufhoeren koennen. Ich bin einfach begeistert vom dampfen. Liebe Grüße Ulli