DKFZ – Zu*rück*ru*dern?

Wollen wir doch erstmal die Bedeutung des Wortes „zu*rück*ru*dern“ analysieren:

Laut Duden

  1. wieder an den, in Richtung auf den Ausgangsort, -punkt rudern
  2. (umgangssprachlich) eine [auf Kritik gestoßene] Äußerung zurücknehmen, einschränken; eine [nicht gebilligte] Handlung, Maßnahme rückgängig machen

Bezogen auf das DKFZ und zwei online lesbaren Artikeln mit ihren Meinungsäußerungen könnte bei uns Dampfern das Gefühl aufkommen, das DKFZ würde seine bisher gemachten „Äußerungen zurücknehmen“ – würden also bildlich gesprochen „zu’rück*ru*dern“? Ist das wirklich so? Schauen wir uns beide „Medienauftritte“ mal an:

Medienauftritt I

Das DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg), vertreten durch Frau Dr. rer. nat. Katrin Schaller, hatte im Aerzteblatt vom 20.01.2017 einen Artikel veröffentlicht, den ich selber zweimal lesen musste. Soll es wahr sein… lese ich richtig… kein „sollte“ – „müsste“ – „könnte“ und „vielleicht“ im ständigen Wechsel – sondern eine Formulierung, die das Lesen erträglich macht? Also ganz anders als die bisherigen Statements, die nicht umsonst zur „Heidelberger Sprache“ deklariert wurden. Zu lesen ist eine Stellungnahme, die zumindest den Anschein hat, dass man nun auch in Heidelberg endlich die Pro-Dampf-Artikel und die Pro-Dampf-Meinungen gelesen und eventuell verstanden hat. Natürlich finden sich immer noch einige typische Behauptungen und Falschmeldungen in diesem Schriftstück…

Pro und Kontra einiger Sätze:

Um welche Größenordnung E-Zigaretten weniger schädlich als Tabakzigaretten sind, lässt sich derzeit nicht quantifizieren, denn es fehlen Studien zum Einfluss eines langfristigen E-Zigaretten-Konsums auf die Gesundheit.

Das ist doch mal eine Aussage, die man doch ohne weiteres so stehen lassen kann, oder nicht? Wohl eher doch nicht, denn für das DKFZ hat ein Beobachtungszeitraum von mehr als 10 Jahren ohne Auffälligkeiten keine Aussagekraft – schade!

Die publizierten klinischen Studien haben E-Zigaretten der ersten Generation verwendet – die heutigen, weiterentwickelten Geräte sind möglicherweise effektiver.

Da haben wir sie wieder… die Heidelberger Sprache – „möglicherweise“ – in Gedanken tausche ich das mal mit dem Wort „sicherlich“ aus.

Problematisch ist der weit verbreitete gleichzeitige Konsum von Tabak- und E-Zigaretten – rund 70 Prozent der Konsumenten verwenden beide Produkte.

Ich denke mal jede nicht gerauchte Tabakzigarette ist positiv zu bewerten! Zitat der englischen Studie (in Übersetzung): „Denn Tabakrauchen ist nicht nur dehalb ein Risiko für die Gesundheit, weil es dem Körper Karzinogene zuführt, sondern weil sich auch „x“ andere Stoffe im Körper ablagern, die beim Dampfen wegfallen bzw. beim Dual-User reduziert werden.“

In Deutschland ist Kindern und Jugendlichen der Erwerb und Konsum von E-Zigaretten seit April 2016 verboten, es ist aber noch nicht bekannt, wie gut dies umgesetzt wird.

Natürlich wird das Jugendschutzgesetz eingehalten. Wir Dampfer merken das doch bei jeder Bestellung und Lieferung! Ich sage nur „Personalausweis“ und „Alterssichtprüfung“. Aber was will das Gesetz machen, wenn Jugendliche, die unter 18 Jahren sind, durch Freunde, Geschwister oder gar Eltern, die 18+ sind, dieses Gesetz umgehen?

Damit E-Zigaretten für die Gesellschaft einen größeren Nutzen als Schaden entwickeln, ist eine wirksame Regulierung notwendig, die den E-Zigaretten-Konsum insbesondere für junge Nichtraucher unattraktiv und für Raucher als weniger schädliche Alternative zu Zigaretten und als Mittel zum Rauchstopp attraktiv macht.

Ja, um Gottes Willen, was wollt Ihr denn da noch weiter regulieren???

Je öfter ich diesen Artikel nun gelesen habe, umso mehr muss ich feststellen, dass man, also das DKFZ, versucht die bisherigen Behauptungen und Falschaussagen mit ständig wiederholenden Sätzen abzumildern, wie zum Beispiel:

Um welche Größenordnung E-Zigaretten weniger schädlich als Tabakzigaretten sind, lässt sich derzeit nicht quantifizieren, denn es fehlen Studien zum Einfluss eines langfristigen E-Zigaretten-Konsums auf die Gesundheit.

Eine wissenschaftlich fundierte Aussage zum Nutzen von E-Zigaretten in der Tabakentwöhnung ist nach der aktuellen Studienlage nicht möglich, da bislang nur wenige randomisiert-kontrollierte klinische Studien vorliegen.

Derzeit laufen 15 klinische Studien – diese könnten belastbarere Erkenntnisse liefern.

 

Medienauftritt II

Hier Hauptstadt Berlin – die Berliner Zeitung meldet am 28.02.2017 (Quelle) :

Nikotinsucht – Können E-Zigaretten helfen, mit dem Rauchen aufzuhören?

Bei der Überschrift dieses Artikels zuckten meine Augen zwar bei dem ersten Wort, weil ich der Meinung bin, dass es keine Nikotinsucht gibt, sondern lediglich eine im Volksmund genannte Tabakabhängigkeit. Aber die anschließende Frage machte mich neugierig.

Die Autorin Anke Brodmerkel beginnt mit allgemeinen Informationen, warum der Raucher zur E-Dampfe (fälschlicherwiese E-Zigarette genannt) greift, welche Hoffnungen er damit verbindet und welche Ziele er anstrebt. Dann folgen ein paar Fragen und die Erwähnung der bisher gemachten Studien. Ganz explizit erwähnt die Autorin die Gruppe der unabhängigen Experten, die Cochrane Tobacco Addiction Group, kurz Cochrane-TAG genannt. Sie schreibt:

Das Fazit der jüngsten Cochrane-Analyse klingt durchweg positiv: Elektronische  Zigaretten könnten Tabakrauchern helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, heißt es in dem Bericht, den die Wissenschaftler um Jamie Hartmann-Boyce von der britischen University of Oxford in Radcliffe in der Cochrane Library veröffentlicht haben. Bei einem maximal zwei Jahre dauernden Gebrauch von E-Zigaretten sei man zudem auf keine ernsthaften Nebenwirkungen gestoßen, schreiben die Autoren. Hartmann-Boyce und ihre Kollegen kommen damit zu dem gleichen Schluss wie in ihrer ersten Übersichtsarbeit zu dem Thema von  Dezember 2014. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/25927948 ©2017
Und nun kommt der große Auftritt von Frau Dr. Ute Mons, Leiterin des WHO Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle beim DKFZ.
In den aktuellen Reviews konnten lediglich ein paar Beobachtungsstudien neu eingeschlossen werden, die jedoch nur eine geringe Aussagekraft haben.
Zwar könne daraus  immerhin abgeleitet werden, dass bei Rauchern, die E-Zigaretten zum Rauchstopp genutzt haben, während der Beobachtungszeit keine nennenswerten Nebenwirkungen aufgetreten seien.
Und wieder kommt bei mir das Gefühl auf, dass wir, die Dampfer, wie kleine Kinder behandelt werden! Erstmal „nein“…das bekommst Du nicht und dann „vielleicht doch, schauen wir mal…“! Zudem finde ich es mehr als arrogant, wie von Seiten des DKFZ die Erkenntnisse der Cochrane-Studie buchstäblich vom Tisch gefegt werden und andere Erkenntnisse (z.B. Euro-Barometer) ignoriert werden.
Meines Erachtens sind andere Entwöhnungsmittel wie beispielsweise Nikotinpflaster oder -kaugummis sicherer als E-Zigaretten.
Das, was hier ganz bestimmt „sicher“ ist… die Umsatzsteigerung der Herstellerfirmen von Nikotinplastern, Nikotinkaugummis und Champix. Versteckte Werbung oder Umsatzbeteiligung frage ich mich jetzt?!?
Für mich gilt weiterhin die Einschätzung der bestehenden Leitlinie, der zufolge E-Zigaretten als Entwöhnungsmittel nicht bedenkenlos empfohlen werden können.
Insofern richtig, weil das DKFZ und hier Frau Dr. Mons „gedankenlos“ das Leben von zig Rauchern aufs Spiel setzt. Wobei sich Frau Dr. Mons dann gleich mit dem nächsten Zitat widerspricht:
Ich würde keinem Raucher, der andere Methoden bereits erfolglos probiert hat und nun überlegt, mithilfe von E-Zigaretten aufzuhören, von diesem Plan abraten.
An sich eine positive Reaktion, wobei auch hier wieder die Einschränkung zu sehen ist. Man soll also erst die vom DKFZ für gut befundenen Nikotinpflaster, Nikotinkaugummis und Champix probieren und erst dann bei Erfolglosigkeit die E-Dampfe (fälschlicherweise E-Zigarette genannt) probieren. Warum nicht gleich mit der E-Dampfe, Frau Dr. Mons? So habe ich es gemacht und es hat funktioniert! Ist doch gut, oder?
Fazit:
Insgesamt kommt es mir so vor, als wolle man doch ein wenig „zu*rück*ru*dern“. War der Gegenwind, egal durch welche Medien, doch mittlerweile so groß, dass man Sorge haben musste, selber das Gesicht zu verlieren? Die bisherigen Falschaussagen wurden ja, z.B. durch viele Veröffentlichungen, ganz klar widerlegt. Aber ist das wirklich ein „Zu*rück*ru*dern“? Oder versucht man hier neue Wege zu gehen, um seine bisherigen Behauptung auf andere Art und Weise zu untermauern? Nach dem Motto: Ich gebe etwas nach, um dann mit meinen bisherigen Behauptungen und Falschaussagen nochmals zu trumpfen? Diese Art von Pokerspiel ist nichts Neues. Hat es immer schon gegeben. Im Volksmund nennt man sowas auch „Augenwischerei“ und trotz meiner anfänglichen Hoffnung, es hätte in Heidelberg ein Sinneswandel gegeben, möchte ich, nein muss ich hier eine Warnung aussprechen: Diese Artikel zeigen immer noch die gleiche Meinung vom DKFZ in einer etwas anderen „Heidelberger-Sprache“. Ein „zu*rück*ru*dern“ und ein Versuch unsere Dampferei als Genussmittel zu akzeptieren schaut anders aus! Ob wir je den Tag erleben werden, an dem die Verantwortlichen vom DKFZ endlich erkennen, dass die Dampferei für uns ein Genussmittel ist, wie z.B. Tee- oder Kaffeetrinken? Zur Erinnerung weise ich gerne auf über 145 eingereichte und veröffentlichte Storys (in deutscher Sprache) bei ExRaucher.org hin, die man hier nachlesen kann!
Und jetzt muss ich erstmal in Ruhe eine Runde dampfen und geniessen…

 
 
DKFZ – Zu*rück*ru*dern?
5 (100%) 5 votes
  • schmocke

    Danke für den Artikel. Vielleicht sollte man Frau Dr. Mons aber nicht gleich zur Leiterin des DKFZ ernennen, denn das ist sie nicht. Vielmehr leitet sie das WHO Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle, das dem DKFZ angegliedert ist. Hier kann man die Organisationsstruktur des Instituts einsehen: http://www.dkfz.de/de/dkfz/download/organigramm_deutsch.pdf

    Ansonsten sei gesagt, dass das DKFZ sicher auch viel gute Forschung in Sachen Krebs betreibt; es ist breit aufgestellt. Leider haben unsere „speziellen Freunde“ auch den selben Briefkopf, was sie befähigt, immer wieder Unwahrheiten zu streuen und Tatsachen zu verdrehen etc. pp. Ich erzähle euch hier ja nix Neues. 😉

    Ich finde es einerseits gut, dass ihr immer wieder darauf hinweist und deren Aussagen relativiert bzw. entlarvt – andererseits scheint es mir fast vergeblich. Es geht schon lange nicht mehr um die Gesundheit der Menschen in derlei Organisationen, Zentren usw. Es geht um den schnöden Mammon, die Kohle von Big Pharma u.a. muss fließen, zig Jobs hängen daran und das Leitbild der ANTZ muss verbreitet werden, Abweichungen unerwünscht!
    Sie können demnach nicht anders, als ihren verschwurbelten Konjunktivismus auf die Spitze zu treiben, wider besseren Wissens, versteht sich. Es ist einfach zu viel Geld im Spiel.

    Und, so meine Vermutung: ihre ganzen Entwöhnprogramme, Kampagnen, die Warnungen vor dem Rauchen etc. haben so ziemlich nichts an den absoluten Zahlen geändert.
    Dann kommt da Anfang des Jahrtausends so’n kleiner chinesischer Apotheker mit einem Geistesblitz um die Ecke und inzwischen nehmen die Menschen ihre Gesundheit selbst in die Hand – und haben auch noch Spaß dabei.

    Das wurmt die Schergen der WHO m.E. am meisten; die Ächtung der Raucher haben sie leider erreicht, lassen wir nicht zu, dass sie es auch mit den Dampfern schaffen!

    In diesem Sinne, bitte weiter machen. 🙂

    • Daniel Pepecyb Hagemeister-Bie

      Der Fehler ist ausradiert. 😉
      Klar wissen wir, was sie da leitet.

      Insgesamt richtet sich der Artikel nicht generell gegen das dkfz., sondern soll eigentlich nur mal die Augen für all die öffnen, die aus solchen Medienbeiträgen auf ein „Zurückrudern“ schließen.

  • Dann will ich mal den Aluhut aufsetzen und spekulieren:

    Was wäre, wenn die Freunde von der Pharmafia ein Dampfgerät entwickelt hätten, das entfernt an die frühen Dampfstäbchen mit Kartuschen erinnert und bereits auf dem Weg zur Zulassung als „Entwöhnungsmittel“ ist?

    Wäre es da nicht sinnvoll, wenn die Promotionagentur in Heidelberg jetzt bereits den Weg propagandistisch vorbereitet, um sie später bei der Markteinführung als die Einzig Wahre, weil abgesegnete, Dampfe anzupreisen?

    Dass dieser dann längst veraltete Schrott vermutlich ähnlich teuer und nutzlos wie die ganzen anderen Entwöhnungsmittelchen sein wird, ist den Werbern ja egal.

    Aber vielleicht bin ich ja auch nur ein wenig paranoid.
    Da gibt’s doch sicher was von Rattofarm …

  • einMichl

    Das man nicht schlagartig seine alten Kernaussagen über den Haufen werfen kann ist klar zu erkennen. Das *sturInEineRichtungDenken* passiert aber nicht allein in Heidelberg. Beispiel gefällig?
    Schaller, Katrin und Mons, Ute zeigen auf, das die bisherige Regulierungen nicht ausreichend, also mangelhaft sind: „[…]Damit E-Zigaretten für die Gesellschaft einen größeren Nutzen als Schaden entwickeln, ist eine wirksame Regulierung notwendig, die den E-Zigaretten-Konsum insbesondere für junge Nichtraucher unattraktiv und für Raucher als weniger schädliche Alternative zu Zigaretten und als Mittel zum Rauchstopp attraktiv macht.[…]“
    Der Meinung bin ich auch – und mit mir nahezu alle Dampfer.
    Ich möchte mein Dampfzeug nicht auf sogenannten Flohmärkten neben dem Stand mit „Jeans nur max. 23 min tragen, da sonst Verätzungen entstehen“ beziehen. In einem Umfeld von feststehenden Regeln, in dem geprüfte, qualitätsgesicherte Produkte vertrieben werden, finden sich die Menschenverachter aus dem unreguliertem oder unregulierbarem In- und Ausland nicht wohl. Schon vergessen was für Zigaretten eingeschmuggelt werden?
    Die Regeln der Regulierung waren lange vor diesem Artikel bekannt und in Gesetze gegossen. Im letzten Absatz (meist Fazit) wird ausdrücklich festgestellt das diese mangelhaft sind.

    Elmaba missversteht und haut gleich drauf: „Ja, um Gottes Willen, was wollt Ihr denn da noch weiter regulieren???“
    Da gehört doch eher gefragt: „Was gehört an der TPD2 geändert damit die Ziele Volksgesundheit, Jugend- und Verbraucherschutz wirksam verfolgt werden können?“

    „Immer druff“ schadet den Interessen der (Ex-)Raucher, da ein Gesprächspartner, der nur auf Krawall aus ist, nie Gesprächspartner werden wird.

    Gruß
    Michael