Alles nicht so schlimm

Häufig hört und liest man, dass die Beteiligung von Imperial Brands (vormals Imperial Tobacco) an der EBI „Let’s demand smarter vaping regulation!“ doch kein Grund zur Aufregung sei. Big-T habe doch auch Liquidverdampfer und E-Zigaretten (mobile Tabaktoaster) im Portfolio… sie seien doch auch Teil der E-Dampf-Industrie und man müsse am selben Strang ziehen. Außerdem seien wir E-Dampfer ja eh in Kontakt mit Big-T (Blödsinn… dazu aber demnächst irgendwo Näheres), denn unser Nikotin kommt ja überwiegend aus Tabakblättern.

Diese Punkte sind allesamt diskutabel und – zumindest jetzt – könnte mancher vielleicht hoffen, Big-T sei zur Vernunft gekommen und wolle sich voll und ganz auf die Harm-Reduction-Produkte stürzen, um uns alle vor dem „Tabaktod“ zu retten… sind halt doch endlich auch „die Guten“. Gegen diese Naivität möchte ich gar nicht anschreiben… die Blase wird eh irgendwann platzen, davon bin ich überzeugt, denn der Antrieb von Big-T ist kein philanthropischer, sondern absolut wirtschaftlich. Die wollen Geld verdienen, viel Geld. Und es ist egal, dass Kunden verrecken. Wichtig ist nur, dass die Konkurrenz klein gehalten wird… damit sich noch mehr Geld verdienen lässt. So schätze ich das ein und damit stehe ich nicht alleine.

Was aber völlig vergessen wird, ist die Tatsache, dass es dem öffentlichen Ruf des E-Dampfens als eine von der Tabakindustrie unabhängig und aus einer Graswurzelbewegung entstandenen Erscheinung massiv schadet, wenn sich die eigentlichen Hauptakteure (E-Dampf-Industrie) mit Big-T in ein Boot setzen. Es wird damit „Munition“ geliefert und Argumente für die (falsche) Behauptung, das E-Dampfen sei ein trojanisches Pferd der Tabakindustrie.

Nun gibt es ein neues Beispiel für große Aufregung, wenn Big-T an irgendwas beteiligt ist… es geht um den Pavillon der Schweiz bei der Weltausstellung in Dubai. Das Aussendedepartment (EDA) hat nämlich beschlossen, Philip Morris als einen von zwei Sponsoren für den Pavillon zuzulassen. Das schmeckt der WHO natürlich nicht und so wurde „laut geschimpft“ und verlangt, die zu unterbinden.

Tabak tötet weltweit pro Jahr acht Millionen Menschen. Dass nun ausgerechnet die Schweiz als Sitzstaat der WHO eine Sponsoring-Partnerschaft mit einem Tabakkonzern eingeht, ist sehr bedenklich.

Besonders schlimm – zusätzlich zu der Tatsache, dass man sich von der „Macht des Bösen“ finanziell unterstützen lässt – ist, dass auf dem Dach des Pavillons eine Bar betrieben werden soll, wo PM seinen „Tabaktoaster“ als Rettung für die vom Tod bedrohten Tabakrauchen vorstellen will.

Die WHO jedenfalls hat ein großes Fass aufgemacht, was sich in zahlreichen Medienveröffentlichungen niedergeschlagen hat, und beschwerte sich auch gleich mal beim Bureau International des Expositions (BIE), das aufgefordert wurde, gegen die Beteiligung von PM vorzugehen und diese zu untersagen.

Natürlich fanden sich auch zahlreiche andere Kritiker, befeuert durch diese Meldung, die das Sponsoring für einen ganz großen Skandal halten.

Inzwischen wurden die Forderungen der WHO aber durch das BIE zurückgewiesen und klargestellt, dass die Schweiz sehr wohl das Recht hat, PM als Sponsor zu nutzen und der Firma auch Platz bereitzustellen. Das Bureau hat zwar 2011mit der WHO ein Memorandum zur Tabakprävention unterschrieben, das aber nie ratifiziert wurde. Aus diesem Grund muss es auch nicht nach der Pfeife der WHO tanzen.

Was bleibt, ist aber die Außenwirkung, die dieses kleine Unwetter hinterlassen hat. Und man kann sehr gut einschätzen, wie radikal die Ablehnung der Tabakindustrie bei der WHO ist… die WHO, die sehr viele entscheidende Bereiche in Politik und Verwaltung fest in der Hand hat.

Und nun meint mancher ernsthaft, die Beteiligung von IB bei der EBI sei völlig unschädlich? Sehr blauäugig. Man kann zu Big-T stehen, wie man will… man kann der Tabakindustrie sogar zutrauen, dass sie inzwischen geläutert ist… aber Fakt ist, dass man sich besser von ihr fern hält, wenn man nicht durch Kontaktschuld geächtet werden möchte.


https://www.bluewin.ch/de/news/schweiz/partnerschaft-des-eda-mit-weltgroesstem-tabakkonzern-erregt-kritik-278045.html

https://www.zuonline.ch/wirtschaft/standard/Dr-med-Ignazio-Cassis-und-sein-neuer-Sponsor-der-Tabakkonzern/story/31904563

https://www.nzz.ch/schweiz/expo-dubai-arzt-und-bundesrat-ignazio-cassis-laesst-philip-morris-als-hauptsponsor-zu-ld.1497654

https://www.msn.com/de-ch/news/other/sponsoring-von-philip-morris-am-schweizer-pavillon-erregt-c3-a4rger/ar-AAEHD7R

https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/tabakkonzern-philip-morris-sponsert-schweizer-pavillon-an-weltausstellung-praeventionsexperten-sind-empoert-135260672

https://www.luzernerzeitung.ch/meinung/kommentare/hauptsponsor-philip-morris-an-der-expo-2020-auftrag-nicht-erfuellt-ld.1138026

https://theworldnews.net/ch-news/heikles-sponsoring-an-weltausstellung-philip-morris-weist-die-who-kritik-zuruck


  5 comments for “Alles nicht so schlimm

  1. 2. August 2019 at 18:33

    Was mich bei vielen Leuten an diesem Thema ärgert, sie werfen alles in einen Topf: Wirtschafts- und Sozialpolitik, Gesundheitsvorsorge und Kapitalismuskritik. Dann kräftig umrühren und heraus kommt einerseits die schädliche E-Dampfe (Juul), sobald die Tabakkonzerne daran beteiligt sind und andererseits eine gesellschaftliche Ächtung von alles und jeden, der oder das auch nur entfernt eine Ähnlichkeit mit Produkten dieser Konzerne aufweist. Dabei ist das nicht allein aufs Rauchen/Dampfen beschränkt, es reicht querbeet durch die gesamte Lebensmittelindustrie und nimmt neuerdings durch die Absurdität, mit der hierzulande die Klimadiskussion geführt wird, ungeahnte Ausmaße an, beispielsweise durch die Besteuerung von CO2 (Luftsteuer). Die Sektsteuer von Kaiser Wilhelm war ja schon genial aber eine CO2-Steuer toppt sie sogar um einiges.

    Aufklärer wie Prof. Bernd Mayer könnten sogar täglich neue Videos für die Dampferszene veröffentlichen, es nutzt nichts, sogar er dringt nicht durch, denn sobald eine E-Dampfe von Tabakkonzernen hergestellt bzw. deren Firma aufgekauft wird, wandelt sich die bisherige Unschädlichkeit in Teufelswerk, mit dem unsere Jugend vergiftet wird.

    Ohne die chinesischen Hersteller wäre der E-Dampfmarkt längst in Händen der Tabakkonzerne und es würden nur noch Pod-Systeme angeboten werden. Ein paar wenige „Verrückte“ blieben natürlich bei der Graswurzelbewegung übrig und diese würde erheblich langsamer wachsen aber sie würde wachsen. Der heutige E-Dampfmarkt ist in Wahrheit ein Liquid-Markt und was da in den letzten Jahren geschah, ist hanebüchen, wenn auch menschlich verständlich: bei Gewinnspannen von über 90 Prozent und bei traumhaften Wachstumsraten kann man sich doch nicht wirklich wundern, dass immer mehr Akteure auf diesen Zug gesprungen sind. Mich wundert da eigentlich nur die bisherige Zurückhaltung der Pharmaindustrie – entweder ist der Markt für sie noch zu klein und sie erzielen mit ihrem Kerngeschäft viel höhere Gewinne oder ihre Zurückhaltung ist Strategie, deren Sinn mir/uns noch nicht offenbart wurde. Oder aber sie halten sich gar nicht zurück und agieren längst hinter verschlossenen Türen.

    Die Tabakindustrie ist winzig im Vergleich mit den Pharmariesen oder der Lebensmittelindustrie. Das Ansehen des Tabaks und ihrer Industrie sinkt in der Welt – nein, „sinken“ ist der falsche Begriff, denn die Tabakindustrie befindet sich in einem Absturz sondergleichen und kann ihn nur mittels gegenseitiger Auf- und Zukäufe kosmetisch kaschieren. Trotz vieler gekaufter Regierungen wird ihr Niedergang aber nicht aufzuhalten sein. Genau das sehen wir zur Zeit in der Schweiz: allein schon die Idee, sie höflich aber bestimmt zu der Veranstaltung ausladen zu wollen, wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen. Da die WHO im Grunde eine Pharmatochter ist, möchte ich mal mutmaßen, dass hier im Verborgenen von der Pharmaindustrie gegen die Tabakindustrie agiert wird – und sollte an meiner Verschwörungstheorie auch nur ein Fünkchen Wahrheit zu finden sein, ist klar, wer in Zukunft den Liquidmarkt beherrschen wird.

    Wer heute noch Geld von der Tabakindustrie annimmt, denkt egoistisch und kurzfristig, obwohl 6 Mrd. Dollar schon ein nachvollziehbares Argument sind, das hat aber nichts mit Markteroberung zu tun, ist eher vergleichbar mit der StartUp-Szene. Geld stinkt nicht und das Ansehen des E-Dampfes wird sich dann positiv verändern, wenn Big-Pharma ihr Visier öffnen und sich allen zu erkennen geben. Dann wird auch die WHO wie durch Zauberhand geläutert ein Hochlied aufs E-Dampfen singen. Alles eine Frage der Zeit, glaube ich. Verzichten auf die Kohle der weltweit Süchtigen will und wird keiner, nicht einmal die Gesundheitsapostel.

  2. Nebelheimer
    8. August 2019 at 17:33

    Joar, wo fang ich an…ich stimme in den meisten Punkten zu, dass die Big-T‘s nur an Umsatz interessiert sind, dass sie versuchen Konkurrenz klein zu halten und auf Regulierungen hinarbeiten die zu unserem Schaden sind, wenn sie erstmal die Deutungshoheit erlangt haben…aber und das ist ein Punkt den viele meiner Meinung nach zu klein reden, ist dass der Großteil der Raucher bzw. Menschen allgemein nicht an der Technik interessiert sind. Viele wollen funktionierende, einfache Systeme, die sie jederzeit nutzen können ohne sich darüber Gedanken zu machen oder zu viel Zeit/Geld zu investieren. Sie wollen den bekannten Komfort einer Zigarette: Kaufen und benutzen zum günstigsten Preis.

    Ich höre ja selbst jeden Tag von Rauchern, die selbst die einfachsten Systeme ausprobiert haben, dass ihnen dass zu kompliziert ist. Da spritzt das Liquid, da muss man immer den Akku aufladen, das ist nichts für mich…..ihr kennt die Aussagen sicher selbst.

    Diese potentielle Gruppe, und das ist nunmal die größte, wird die derzeitige Dampferszene nie in dem Maße erreichen oder überzeugen können, egal wie fusselig man sich den Mund redet oder argumentiert….außer sie schafft es irgendwie eine ausreichend große Lobby aufzubauen und Öffentlich hörbar zu sein, womit die BfTG und die Petition ja durchaus ein Anfang ist.

    Die Big-T‘s werden so oder so weiter in diesen Sektor drängen, egal was wir machen oder nicht. Sie werden weiter E-Zigaretten produzieren, ob wir wollen oder nicht. Die Chance dabei ist, dass sie die E-Zigarette, als Grundkonzept massentauglich machen, was wiederum Vorurteile gegenüber offenen Systemen mindern könnte. Es ist leicht gegen etwas völlig fremdes zu argumentieren, anstatt gegen etwas das etabliert ist und ähnlich funktioniert. Wir können uns aber natürlich auch so positionieren, dass uns die, ich nenne sie mal zukünftigen „Otto-Normal-Dampfer“, völlig egal sind, da sie nicht in unserem Spektrum agieren oder sich damit auseinandersetzen wollen….nur dann bleiben wir eine kleine Minderheit die sich kein Verhör schaffen wird für ihr „komisches Hobby“ mit den „Teufelsgeräten“.

    Ich denke, es wird nicht ohne Großkonzerne und einfache kleine massentaugliche Systeme gehen, um eine allgemeine Akzeptanz und Verbreitung zu erreichen. Wir dagegen müssen akzeptieren, dass die Mehrheit auch nicht interessiert ist wie und wo das alles entstanden ist oder wer es erfunden hat….wir sind in diesem Falle die Nerds und wir können nur hoffen, dass die anderen irgendwann aufhören Zigaretten zu rauchen und auf ein wie auch immer aussehendes Dampfgerät umsteigen.

    Deswegen, ja ich finde eine kontrollierte Beteiligung/Kooperation in dem Maße Sinnvoll, dass sich die Dampferakteure im BfTG damit Reichweite verschaffen, aber sie müssen strengstens drauf achten Imperial Brand keine zu gewichtige Mitsprache zu geben bzw. sich Kapern zu lassen. Sie müssen sich für offene Systeme stark machen und gegen übermäßige/unfaire Regulierung, damit wir unsere Nerdnische behalten können aber eine Akzeptanz in der Gesellschaft entsteht.

    • 8. August 2019 at 18:00

      Alle Deine Argumente haben etwas für sich! Und meinetwegen können BfTG und VdeH gerne mit Big-T kuscheln, wenn sie sich Vorteile davon versprechen.

      Die Frage ist nur, ob die Konsumenten den Steigbügelhalter für diese „Zweckehe“ machen sollten. Schon die Vorstellungen der Händlerverbände unterscheiden sich von den Vorstellungen der Konsumenten… und bei Big-T halte ich die Diskrepanz für noch weitaus größer.

      Ich bleibe dabei: Für uns Konsumenten (und da beziehe ich die von Dir angesprochene Gruppe, die einfach nur einfach dampfen möchte, mit ein) wird die EBI keine Vorteile bringen… eher das Gegenteil.

      • Nebelheimer
        11. August 2019 at 22:54

        Ich bin definitiv kein Freund von Big-T und auch die Händler/Produzenten haben eigene Interessen ohne Frage, aber die Gegenfragen sind: Was sollten die Nutzer/Konsumenten deiner Meinung nach tun? Eine Gegenbewegung gründen und die sowieso schon nicht zusammenarbeitenden Gruppierungen weiter spalten? Wer gehört dann zur moralisch guten Seite? Darf man sich dann überhaupt mit Hersteller X zusammentun oder sollen nur die Manufakturen von (wie auch immer definierten) hochwertigen Produkten und mit entsprechendem Kodex auf „unserer“ Seite unterstützt werden?

        Klar ich bin auch der Meinung, man sollte lieber hochpreisige Geräte und Liquids bei innovativen Firmen kaufen die selbst produzieren, um diese Hersteller zu unterstützen…aber da sind wir wieder bei Ab/Ausgrenzung und jeder gegen jeden.

        Daher nochmal: Wie sollte eine starke Fraktion zusammen kommen oder aussehen, die auch Lobbyarbeit leisten kann? Was sind überhaupt die Ziele welche verfolgt werden sollen und wer definiert diese auf einen gemeinsamen Nenner?

        • 11. August 2019 at 23:56

          Es geht ja nicht um Spaltung. Es geht vielmehr darum, dass eine (ohnehin unwahrscheinlich) erfolgreiche EBI der Händler, Hersteller UND von Big-T keine Ergebnisse (bei einer Neuregulierung oder einer reinen Loslösung aus der TPD) bringen wird, die wirklich im Interesse von uns Konsumenten sind. Da würden die Interessenguppen Rosinen picken (unter der Maßgabe: Es muss dem Funktionieren des Geschäfts und der Gewinnmaximierung dienen, die Interessen der Konsumenten sind höchstens zweitrangig.).

          Theoretisch (NEIN praktisch) braucht es eine Konsumentenvertretung, die zumindest in dem angenommenen Fall einer Neuregulierung auch die Interessen der Dampfer einbringt und vertritt. Gibt es leider nicht. Aber das wäre die einzige Möglichkeit.

          Eine weitere EBI ist derzeit eh nicht möglich, denn die würde nicht zugelassen (ginge ja im Prinzip um vergleichbare Forderungen), weil es ja schon eine gibt. Den Weg haben sie uns blockiert.

          …und Abgrenzung? Na nur gegenüber Big-T. Ansonsten ist es doch egal, wer sich beteiligt… solange die Interessen von ins Konsumenten im Vordergrund stehen.

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