ProVape – in Memoriam

Für diesen Artikel wollte ich mir eigentlich noch etwas Zeit nehmen und geben, allerdings musste ich gestern Vormittag verschiedene Kommentare lesen, die mich nun veranlassen, doch früher zu beginnen!

Ich lese unter anderem Worte wie „Kein Mitleid, wirklich nicht“ – „Meine Tränen sind daher vielmehr Freudentränen“ – „ProVape ist selbst schuld“ – „ProVape hat Fehler ohne Ende gemacht„… da stockte mir doch tatsächlich der Atem. Man kann über einen Hersteller natürlich seine eigene, seine persönliche Meinung sagen oder schreiben. Aber wo bitte bleibt hier die Toleranz, die Akzeptanz, die wir von andern Menschen uns Dampfern gegenüber immer erwarten? Was da geschrieben worden ist, hat nichts mit Toleranz und Akzeptanz zu tun, sondern ist gekennzeichnet mit Schadenfreude und Häme. Für wahr, ein asoziales Verhalten!

Es ist in meinen Augen immer sehr leicht, zu sagen was ein Hersteller oder Händler alles falsch gemacht hat. Aber hat der, der das schreibt auch mal in dem Boot auf der anderen Seite gesessen? Hat der, der das schreibt, schon mal ein eigenes Geschäft gehabt und erlebt, was man so tagein tagaus mit seiner „Kundschaft“ erleben kann und muss? Es ist ein verdammt hartes Geschäft… und da ich aus eigener Erfahrung sprechen kann, hat sich meine Einstellung gegenüber Händlern und Herstellern absolut geändert. Früher bin ich auch ziemlich gedankenlos in ein Geschäft gegangen. Habe mir alles erklären und zeigen lassen, um dann wieder zu gehen… woanders könnte es ja „preiswerter“ sein! Und genau hier liegt das Problem des heutigen „Konsum-Menschen“, wobei es dieses Problem schon immer gegeben hat. Nur heute, durch Internet und Datenvolumen, nimmt es krassere Formen an. Mein persönlich erlebtes Highlight vor ca.10 Jahren war die Situation, dass von einem Gegenstand in meinem Beisein ein Foto gemacht wurde, mit den Worten: „Oh super, dann weiß ja was ich bei Ebay verlangen kann!“. Heute geht das sogar noch schneller…Smartphone gezückt…und schon ist „Kunde“ informiert… in solchen Situationen möchte ich gerne einen Rollenwechsel! Wie würde sich Kunde fühlen, wenn er so etwas als Händler erleben würde. Was wären seine Gedanken? Im schlimmsten Falle: „Womit bezahle ich nur meine nächste Stromrechnung…?“ Es gibt den schönen Spruch: „Der Kunde ist König!“ Ja…das ist wohl wahr! Aber vielleicht sollte man dazu ergänzen: „…wenn er sich wie ein König benimmt!“ Und das Verhalten so mancher Kunden (zum Glück sind ja nicht alle so!) ist wahrlich kein „königliches Verhalten“.

Zurück zum eigentlichen Thema: ProVape

Man kann sagen und denken was man will. Das ist richtig und für mich war bis Oktober 2015 ProVape keine Option. War und bin ich doch ein großer Fan von einem deutschen Akkuträgerhersteller aus Herne. Allerdings kam im Herbst 2015 die Provari Radius auf dem Markt und sie hat mir auf den ersten Blick sofort gefallen. (Artikel DampferMagazin vom 10.11.15) Natürlich gab es dann auch gleich die ersten negativen Stimmen: „ProVape geht nicht mit der Zeit“ – „nur bis 40 Watt“ usw. Für Dampfer wie mich, die keine extremen Settings verwenden, ein absolut gutes und nachhaltiges „Gerät“. Sie liegt nach wie vor phantastisch in der Hand und ist aus meinem täglichen Gebrauch nicht wegzudenken. Nur wie so oft im Leben, die Geschmäcker sind verschieden und Toleranz ist dem anderen das anders sein zu „gestatten“. Ich kann zwar für mich nicht alles nachvollziehen, was die Kritikpunkte für die Radius betrifft, aber das soll es auch nicht. Ich komme mit der Radius prima zurecht und mir reicht die Leistung von max. 40 Watt. Wer mehr braucht… es hat so viele Akkuträger auf den Markt… also doch kein Problem, oder? Nach der Radius kam dann die ProVari Procyon, die es sogar bis 50 Watt schafft! Gut, wer mehr braucht…siehe oben… Für mich persönlich ein schöner Akkuträger, der gut in der Hand liegt und wie von ProVape nicht anders erwartet, mir als Dampferin das Gefühl verlässlicher Technik gibt. Dann kamen die ersten Meldungen aus Amerika bezüglich FDA Regulierung (Artikel Nebelkrähe vom 05.09.16) und ich nahm Kontakt zu David von ProVape auf. Es war von Anfang an ein guter Kontakt und die Meldungen von David bezüglich „wie geht es weiter mit ProVape“ waren schon damals sehr düster… Als ich merkte, dass ProVape die Produktion einstellen wird, hat es mich schon traurig gemacht. Ein Hersteller, der von Beginn an die Welt der Dampfer geprägt hat, wird es schon bald nicht mehr geben. Und hier geht es jetzt einfach mal nur um diese Tatsache. Und nicht um die immer wiederkehrende Behauptungen, dass die Firma ProVape ohnehin schon am Ende gewesen wäre, weil sie nicht „mit der Zeit geht“. Dies ist nicht belegt und erscheint bei objektiver Betrachtung der Realität auch eher unwahrscheinlich. ProVape bediente eine bestimmte Kundengruppe und war bis zum Schluss noch gut im Geschäft. Die Nachfrage nach den vermeintlich „schwachbrüstigen“ Geräten war und ist nach wie vor gegeben. Man muss als erfolgreicher Hersteller nicht unbedingt den Massenmarkt bedienen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Welche Gründe jetzt auch immer dahinter stecken, ist absolut zweitrangig und für uns uninteressant oder wollte sich von den „kritischen Schreibern“ jemand an dem Unternehmen beteiligen? Das wäre natürlich eine andere Sache…

Ich hatte das Glück noch drei weitere Provaris kaufen zu können… zwei davon direkt in Amerika beim Hersteller und der dabei entstandene Kontakt via E-Mail war für mich eine absolut positive Erfahrung. Ich möchte mich hier und jetzt bei David von ProVape ganz herzlich für diesen Kontakt und seinen Kundenservice bedanken. Es war mir eine Freude und ProVape hat in meiner Dampfer-Sammlung einen besonderen Platz verdient und bekommen!

 

Elmaba de

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ProVape – in Memoriam
5 (100%) 6 votes
  • Thomas

    Liebe Nebelkrähe,
    der Artikel sollte mal zu Denken geben. Kein vernünftiger Hersteller, der auf gute Qualität und gute Produktionsbedingungen achtet, kann dieses „Produktwettrüsten“ der chinesischen Hersteller auf Dauer überstehen.
    Qalitativ hochwertige Produkte brauchen eine gewisse Zeit, für Tests, Umarbeitungen etc., um wirklich einen Dauergebrauch gewährleisten zu können. Viele Dampfer scheinen dies ausser acht zu lassen. Immer grösser, schneller, weiter… Dadurch kommen dann Geräte auf den Markt die zwar potentiell viel Versprechen, aber kaum etwas davon halten. Dies schürt zwar eine gewisse Unzufriedenheit, aber hält die Mehrheit der Dampfer nicht davon ab, diese Spirale weiterzudrehen. Leider. Dies schädigt die Händler (durch hohe Ausfallquoten und Retouren), die lokalen Hersteller (die ihre dadurch ja so veralteten Produkte nicht mehr verkauft bekommen) und die Dampfer (weil defekte Hardware, siffende Verdampfer, etc… den Dampfgenuß und den eigenen Geldbeutel schädigen). Qualtät hat ihren Preis. Billig schadet langfristig der ganzen Szene. Die Lokalen Produzenten mögen zwar durch die Lohnstruktur in D teurer sein, allerdings gewährleisten sie auch gesetzeskonforme Produkte, gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und definitiv mehr Sicherheit beim Dampfen. Denkt mal darüber nach, ob „buy local“ nicht doch etwas für die Zukunft ist…
    LG, Thomas

    • Hallo Thomas,
      wie sagt man heute so schön? -> „Da bin ich ganz bei Dir!“ -> Danke für Deinen Kommentar! Grüßle Elmaba

  • Gemiko

    Ich bin froh, noch ein paar der letzten Geräte in einem deutschen Shop ergattert zu haben. ProVape spielt mich mich in der ersten Liga, sorry spielte. R.I.P.

  • Robert Schallowetz

    Hallo Dampfer,
    Ich bin stolzer Besitzer zweier Provaris zu sein, sicherlich waren die Geräte sehr teuer jedoch jeden Cent wert.
    Schade das eine so großartiges Unternehmen die Tore schließt.
    R.I.P Provape

  • Hab grade noch eine weitere 2.5 bei Ebay erworben. Der Artikel spricht mir aus der Seele!

    Zu den Schäden, den dieses Höher-Schneller-Weiter anrichtet, gehört auch, dass Umsteiger/Einsteiger dadurch nicht mehr sinnvoll bedient werden. Raucher sind in aller Regel MTL-Dampfer und finden sich nun in einem Marktumfeld vor, das ihnen kaum mehr einfache Geräte bietet, die diesen Bedarf decken (und sonst nix!).

    In diese Lücke können dann die Großhersteller mit ihren simplen E-Zigaretten stoßen, die den User jedoch komplett entmündigen und teuer zur Kasse bieten.