SCHEER-Report liest sich wie dkfz-Dokument aus alten Zeiten

Der gestern veröffentlichte Report des „Scientific Committee on Health, Environmental and Emerging Risks (SCHEER)“ verheißt nichts gutes. Der Report dient dazu, die Kommission bei der Bewertung der neuesten wissenschaftlichen und technischen Informationen zu E-Zigaretten zu unterstützen, die Berichtspflicht gemäß TPD2 zu erfüllen und hilft der Kommission bei der Bewertung des potenziellen Bedarfs an Gesetzesänderungen.

Die Stellungnahme wird mit Sicherheit ein wichtiger Faktor bei der Erarbeitung einer Neuauflage der Tabakprodukterichtlinie (TPD3).

Es ist unmöglich, das 117 Seiten umfassende Dokument in englischer Sprache innerhalb eines Tages vollständig zu lesen und inhaltlich zu bewerten. So haben wir den Report zunächst einmal überflogen und in einigen Punkten genauer betrachtet. Das Ergebnis ist katastrophal. Insgesamt liest sich die Stellungnahme wie ein Schreiben des dkfz. aus alten Zeiten. Das E-Dampfen kommt nicht sonderlich gut dabei weg.

Was das Gesundheitsrisiko anbelangt, werden teils nicht unerhebliche Gesundheitsrisiken behauptet.

Es gibt moderate, aber zunehmende Beweise aus Humandaten, die darauf hindeuten, dass der elektronische Zigarettenkonsum schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit hat, insbesondere, aber nicht nur, auf das Herz-Kreislauf-System.

Quelle: SCHEER-Report

Diese Folgerung wird mit Studienergebnissen „belegt“, die allesamt bekannt sind. Fatal dabei ist die Tatsache, dass zwar zwischen qualitativem und quantitativem Nachweis von Schadstoffen unterschieden wird, bei den quantitativen jedoch keinerlei Relation zum Vorhandensein dieser Stoffe im Tabakrauch, normaler Raumluft oder gar Atemluft hergestellt wird. Dies hätte nämlich den zitierten Schluss nicht zugelassen.

Was auffällt, ist die häufig in Bezug auf Gesundheitsrisiken vorkommende Formulierung „kann nicht ausgeschlossen werden“. Das klingt wirklich nach „Monika“ und ihren Freunden vom dkfz.

…während das Risiko für durchschnittliche und leichte Benutzer als nicht ausgeschlossen oder unsicher angesehen wurde…

…kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei Tieren verfügbare Daten über eine mögliche karzinogene Aktivität nach Verschlucken auch für den Menschen nicht relevant sind.

…dieses Risiko bei leichten und durchschnittlichen Anwendern nicht ausgeschlossen werden kann.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei starken Benutzern systemische Wirkungen (verminderte Lymphozytenzahl) infolge der Exposition gegenüber Propylenglykol auftreten.

Wirkungen können nicht ausgeschlossen werden.

Quelle: SCHEER-Report

Als weiterer Beleg wird die WHO zitiert:

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ENDS/ENNDS harmlos sind, und es wird erwartet, dass eine langfristige Anwendung das Risiko von chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen, Lungenkrebs und möglicherweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einiger anderer Krankheiten, die ebenfalls mit dem Rauchen in Verbindung gebracht werden, erhöht.

Bezüglich des Jugendschutzes wird die inzwischen gesichert widerlegte Gateway-Theorie reaktiviert und mit Plattitüden untermauert.

Tabakprodukte in den von Jugendlichen bevorzugten Geschmacksrichtungen können den Tabakkonsum und den Einstieg in den Tabakkonsum beeinflussen…

Diese Aromen erhöhen die Attraktivität von elektronischen Zigaretten…

Jugendliche halten den Geschmack für den wichtigsten Faktor beim Ausprobieren von elektronischen Zigaretten und begannen den Konsum eher durch aromatisierte elektronische Zigaretten.

Das Fazit sieht dementsprechend aus:

Insgesamt ist der SCHEER der Ansicht, dass es starke Belege dafür gibt, dass elektronische Zigaretten ein Einfallstor zum Rauchen/für junge Menschen sind. Es gibt auch starke Belege dafür, dass Nikotin in E-Liquids an der Suchtentwicklung beteiligt ist und dass Aromen einen relevanten Beitrag zur Attraktivität des Konsums von elektronischen Zigaretten und zum Einstieg in das Rauchen leisten.

Auch die Effizienz des E-Dampfens zur Beendigung des Tabakrauchens wird mehr als deutlich in Zweifel gezogen.

Darüber hinaus berichtete das European Heart Network, dass es bisher keine ausreichenden Beweise dafür gibt, dass der Konsum von elektronischen Zigaretten ein wirksames Mittel zur Raucherentwöhnung ist.

Von dem Report werden genau die Bereiche „bestätigt“, die bei einer kommenden Regulierung die Forderungen der WHO erfüllen könnten.

Die wissenschaftliche Gemeinschaft, Stakeholder, sowie interessierte Gruppen sind aufgefordert, den Report zu dokumentieren. Die Regeln dafür sind ziemlich restriktiv. Trotzdem arbeitet die Interessengemeinschaft ExRaucher mit Hochdruck an einem entsprechenden Kommentar, der spätestens bis zum 26. Oktober 2020 eingereicht werden muss.

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