Glycerin: vegan, pflanzlich oder wie?

Ich lese immer wieder mal, dass in unseren Liquids „veganes“ Glycerin wäre. Es gibt sogar Händler, die „veganes“ Glycerin schreiben und mindestens einer davon (ist der einzige, der mir bekannt ist) hat zu der Angelegenheit auch noch einen Artikel, gespickt mit Falschinformationen, veröffentlicht.

Aber mal von Anfang an!

Eine übliche Abkürzung für das Glycerin in unsere Liquids ist „VG“. Das ist so verbreitet, dass viele meinen, es stünde Synonym für Glycerin im allgemeinen… oder nur „Glycerin“, ohne „V“ wäre etwas ganz anderes.

Die Abkürzung kommt aus dem Englischen und steht für „vegetable glycerine“. Und „vegetable“ (adj.) steht für „pflanzlich“. Ein Blick ins Oxford Dictionary hilft, dies zu bestätigen.

Also: VG = vegetable glycerine = pflanzliches Glycerin

„Vegan“ hingegen bedeutet übersetzt „vegan“. 😉

Ein Blick in den Duden verschafft auch hier Klarheit…

Bedeutung: den Veganismus betreffend, zu ihm gehörend, ihm folgend

Und „Veganismus“?

Bedeutung: [ethisch motivierter] völliger Verzicht auf tierische Produkte bei der Ernährung u. a.

Wenn ein Produkt als „vegan“ bezeichnet wird, dann sagt das aus, dass an der Herstellung kein Tier beteiligt war, die Rohstoffe für das Produkt keine tierischen Produkte sind und auch kein Tier bei der Gewinnung der Rohstoffe beteiligt war.

Das trifft auf pflanzliches Glycerin sicherlich auch zu. Würde also passen. Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär.

Glycerin kann auf verschiedene Arten hergestellt werden. Es kann petrochemisch aus Propen (Propylen) gewonnen werden, welches seinerseits ein Erdölprodukt (ein Produkt aus Leichtbenzinen, die beim Erdöl-Cracking entstehen) ist, oder es kann bei der Verseifung von Fetten hergestellt werden. Früher wurden für das zweite Verfahren meist tierische Fette genutzt, aktuell eher pflanzliche Fette. Heutzutage fällt Glycerin überwiegend als Nebenprodukt bei der Bio-Diesel-Produktion an.

Wenn Glycerin als „pflanzliches Glycerin“ bezeichnet wird, dann wird es aus pflanzlichen Fetten gewonnen. Damit wäre es auch „vegan“. Wird es aus tierischen Fetten gewonnen, dann ist es kein „pflanzliches“ Glycerin und natürlich auch nicht „vegan“. Das synthetisch als Erdölprodukt hergestellte Glycerin ist auch kein „pflanzliches“ Glycerin und darf so nicht bezeichnet werden… aber es ist definitiv „vegan“, denn es war da kein Tier dran beteiligt und auch keine tierischen Rohstoffe.

Würde also „VG“ (vegetable glycerine) für „veganes“ Glycerin stehen, dann wäre auch Glycerin als Erdölprodukt „VG“. Ist es aber nicht. Deshalb ist die Bezeichnung „veganes“ Glycerin sicher erlaubt, steht aber nicht für „VG“.

Weshalb nun eigentlich das „V“ bei „VG“? Weshalb muss es unbedingt pflanzliches Glycerin sein?

Dampfer… also viele, nicht alle, aber doch ne Menge… ticken auf eine besondere Art und Weise. Die überwiegende Zahl sind ehemalige Raucher, die sich Jahre oder eher Jahrzehnte giftige und krebserregende Gase in die Lunge gezogen haben. Und dann haben sie mit dem Dampfen eine Möglichkeit gefunden, von diesem Laster zu lassen, trotzdem weiter zu inhalieren und Nikotin zu konsumieren, aber keine Giftstoffe mehr zu sich zu nehmen. Als sie noch Raucher waren, haben sie die Warnungen vor der Schädlichkeit beiseite gewischt, obwohl den meisten aber das große Risiko bewusst war. Nun haben sie den Absprung geschafft und wollen jegliches Restrisiko minimieren, am besten ganz vermeiden. Deshalb achten viele Dampfer extrem (das ist das andere Extrem zum Verhalten als Raucher) darauf, eventuell schädliche Faktoren zu vermeiden. Na… und „Chemie“ ist ja von Hause aus böse und schädlich (ist Bullshit, wird einem aber oft suggeriert). Deshalb ist es besonders gut, wenn das Glycerin pflanzlich ist. Pflanzlich ist „Gemüse“ und Gemüse ist gesund. 😉 Dass das VG mit Pflanzen gar nichts mehr zu tun hat (es werden Fette aus Pflanzen – meist den Samen – gepresst und das Öl wird dann in der Chemiefabrik „zersägt“ und mit anderen Rohstoffen wieder „zusammengebappt“ bis man Glycerin hat, dass nun auch noch aufwendig gereinigt wird) ist egal… es klingt einfach „gesünder“.
Das ist natürlich ein Geschenk für jede Marketingabteilung. Man betont einfach, dass das Glycerin in den eigenen Liquids (oder das Glycerin als Selbstmisch-Rohstoff) pflanzlich ist… und schon hat man die Leute eingefangen.

Es geht der überwiegenden Zahl der Dampfer darum, dass es pflanzlichen Ursprungs ist. Vegan ist den meisten egal. Es soll einfach aus Pflanzen sein.

Deshalb steht das „V“ für vegetable, also pflanzlich… und nicht für vegan, was das Erdölprodukt Glycerin ebenfalls einschließen würde, was ja eben nicht erwünscht ist.

Vorteile hat das VG gegenüber dem „Erdöl-Glycerin“ allerdings nicht… und auch nicht gegenüber dem „Schweinebauch-Glycerin (also dem aus tierischen Rohstoffen). Chemisch ist Glycerin einfach Glycerin… egal, wie es gewonnen wurde. Solange man geeignetes (von hoher Reinheit) Glycerin verwendet, macht das keinen Unterschied… der findet nur im Kopf statt.

Also bitte… wenn Ihr pflanzliches Glycerin meint, VG nämlich, dann nennt es nicht „veganes“ Glycerin. Das ist damit nicht gemeint.

5 Kommentare

  1. Echt jetzt? Darüber machen sich welche einen Kopf?
    Veganes Dampfen? Mich haut’s aus den Socken, hat vegan jetzt das Dampfen auch erreicht?
    Naja jedem das Seine.

  2. „Das synthetisch als Erdölprodukt hergestellte Glycerin ist auch kein „pflanzliches“ Glycerin und darf so nicht bezeichnet werden… aber es ist definitiv „vegan“, denn es war da kein Tier dran beteiligt und auch keine tierischen Rohstoffe.“

    Dem möchte ich widersprechen. Erdöl ist zum Teil zwar aus pflanzlichem Plankton (Phytoplankton), daneben aber auch aus tierischem Plankton (Zooplankton) entstanden. Von den toten Dinosauriern, die darin aufgegangen sind, ganz zu schweigen. Ist also nicht „vegan“.

    1. Ich habe befürchtet, dass diese Spitzfindigkeit kommt, bin aber das Risiko eingegangen, weil ich keine Abhandlung über Veganismus schreiben wollte (die wäre kaum neutral möglich, weil ich die Sache für Schwachsinn halte… meine per-sön-li-che Meinung 😉 ).

      Also… ich muss eingestehen, meine „Definition“ im Artikel ist arg vereinfacht und greift zu kurz, wenn ich sage, vegan ist alles, wo kein Tier dran beteiligt ist und auch kein tierisches Produkt. Tatsächlich ist es so, dass Veganer aus ethisch-moralischen (und pseudowissenschaftlichen Bullshit-Argumenten) auf alles verzichten, was aktuell aus oder von Tieren erzeugt wird, weil sie u. a. diese Nutzung als „Ausbeutung“ oder „Versklavung“ von Tieren ansehen.

      Nun ist Erdöl tatsächlich ein Produkt, das auch(!) durch die Zersetzung toter Tiere entstanden ist. Meiner vereinfachten Definition nach könnte man also schon so argumentieren, dass Erdöl nicht vegan ist.

      Ist es aber DOCH. Das wird auch kein Veganer (mit einem Rest Vernunft) bestreiten, denn die Tiere lebten, starben, zersetzten sich und wurden unter hohem Druck um Erdinnern zu Erdöl „verquetscht“, als es noch keinen Menschen auf der Erde gab. Es KANN also nicht durch Ausbeutung oder Versklavung durch den Menschen entstanden sein. Und kein Mensch hatte oder hat irgendeinen Einfluss darauf, dass Tiere sterben mussten, damit Erdöl entsteht.

      Würde die Vegan-Definition so weit gehen, dann müssten Veganer sterben. Nicht, weil fast alle Kunststoffe für sie nicht nutzbar wären, viele Medikamente nicht etc. pp., sondern weil sie dann auch keine pflanzliche Nahrung mehr zu sich nehmen dürften. Warum? Na weil auch bei der Entstehung von pflanzlicher Nahrung Tiere beteiligt sind. Ohne „Regenwurmscheiße“ und andere Zersetzungsprodukte, die Kleinstlebewesen im Boden hinterlassen, gäbe es kein vernünftiges Pflanzenwachstum… und dass dies am Wachstum beteiligt ist, lässt sich auch nicht vermeiden. Aber… und das rettet die Veganer (neben künstlich hergestellten und eingeworfenen Lebensmittelergänzungsstoffen, die sie haben müssen, um nicht an Magelerscheinungen zu erkranken) vor dem Hungertod… denn es sind an der Pflanzenentstehung durchaus auch Tiere beteiligt… allerdings hat da der Mensch keinen Einfluss drauf. Und deshalb ist die Rübe vegan. Und deshalb isd Erdöl und sind Erdölprodukte auch vegan.

  3. Hihi, @Thomas und @pepecyb , ich finde solche spitzfindigen Diskussionen ja immer große klasse und ziemlich anregend, auch mal selber weiter zu denken. Alles ist irgendwie mit allem doch enger verbunden, als es gemeinhin so den Anschein hat. Gemischter Salat quasi von Dinosauriern bis zu McDonalds 🙂

  4. Die Sache mit dem Erdöl ist auch nicht ganz so einfach. Es gibt nämlich ernst zunehmende Wissenschaftler, die die Entstehung des Erdöls aus Biomasse bestreiten. Statt dessen ist für sie Erdöl ein aus dem Erdinnern stammender und damit regenerativer Energieträger.

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