Der Geschichte erster Teil: „Dampfen verboten“

Stell dir vor, das Dampfen wäre verboten. Klar, das ist eine Dystopie, eine Verschwörungstheorie, denn Dampfen wird nicht verboten werden. „Niemand hat die Absicht …“. Kommt einem bekannt vor, nicht wahr? Dann stelle dir von mir aus vor, das Dampfen wäre so teuer geworden, dass kein Normalverdiener sich einen regelmäßigen Konsum mehr leisten kann. Dampfen nur sonntags oder zu Geburtstagen als außergewöhnlicher Genuss.

„Ich bin ja nicht blöd“, sagst du jetzt, „dann kaufe ich mir lecker Stöffchen und Geräte eben im Ausland.“ Tja, dumm nur, dass beim Weltwirtschaftsgipfel 2030 die Weltregierung China mit kräftigen Zöllen belegt hat und China deshalb versprach, zugunsten der anderen Industrien die wenig lukrativen Dampfgerätehersteller zu verbieten. Selbstverständlich steht es dir frei, für mehrere hundert Euro handgemachte Geräte auf dem Kunsthandwerkermarkt zu erstehen. Des weiteren wurde dem PG und VG im Einklang mit der EU wider Erwarten Gefahrenhinweise aufgedruckt. Auf PG/VG für andere Zwecke muss ausdrücklich der Vermerk zu lesen sein: „nicht fürs E-Dampfen geeignet“. Nun meinst du, auch das sei egal, denn als erfahrener Dampfer könne so etwas dich nicht schrecken.

Die ersten Fragen trudeln in den Dampferforen ein: „Kann ich Pferde-PG/VG trotzdem benutzen?“ Alte Hasen beruhigen die jungen Häschen. Foren sei Dank. Plötzlich sind aber alle vier deutschsprachigen Foren weg. Was? Wie kann das sein?

Stattdessen siehst du eine Einblendung: „Aufgrund rechtlicher Bestimmungen mussten wir das Forum einstellen“. Selbstverständlich wurde nichts verboten, nur lagen die Foren allesamt auf Servern, die Google gehörten, und Google sah sich gezwungen, „medizinische Fehlinformationen“ abzustellen, da die WHO eine Kampagne für ein gesünderes Leben gestartet hatte, in der alle gesellschaftlichen Kräfte dazu aufgerufen wurden, dem grassierenden Wahn des E-Dampfens endgültig Einhalt zu gebieten. So wie im Jahre 2025 mit der TPD3 dem Tabakrauch ein für alle Mal der Garaus gemacht worden war, geht es nun dem E-Dampfen an den Kragen. Den alten Hasen kümmertꞌs nicht die Bohne, doch Angst macht sich im Häschenstall der Jungen breit. Es sind online keine alten Hasen mehr da, die Beruhigung ins Spiel bringen könnten. Aus der Angst der Jungen erwächst Panik, denn Horrorgeschichten verbreiten sich wie Lauffeuer: Erzählungen vom grauenhaften Sterben ehemaliger Verharmloser, deren Lungen als Langzeitfolgen des Dampfens kollabierten. Die Wissenschaft erzeugt eine Menge Studien, die die Gefährlichkeit des Dampfens unterstreichen. Prominente werben in kurzen Spots „Ich dampfe nicht, ich bin frei!“ Und Lehrer warnen in den Häschenschulen: „Wer dampft, dem fällt sein Stummelschwänzchen ab“.

Die Lauten unter den Jungen besiegen ihre Angst, indem sie sich besonders vehement gegen das Dampfen in den sozialen Medien aussprechen. Wer dampft, sei psychisch krank, Dampfen gefährde das Wohl der Kinder, Dampfer seien asozial, die Allgemeinheit müsse für die Schäden an deren Gesundheit aufkommen. Dampfer werden als Schmarotzer der Gesellschaft bezeichnet. Um nur die schlimmsten Vorwürfe zu benennen. Wer auf der Straße dampfend angetroffen wird, muss damit rechnen, von Aktivisten bespuckt und beschimpft zu werden. Die Polizisten, bei denen man sich deswegen anfangs noch beklagt hatte, runzeln nur die Stirn, gaben und geben den Dampfern Strafzettel wegen provokanten Verhaltens in der Öffentlichkeit und loben die spuckenden Aktivisten für ihren Einsatz für eine faire und gesunde Welt.

Somit wurde erstens Dampfen megateuer, kann es zweitens nur noch im Verborgenen betrieben werden und drittens werden die wenigen verbliebenen Dampfer mehr und mehr zu einem Geheimbund. „Ach!“, ruft ein kleines Häschen, „Onkel Joe ist ein Illegaler, er tauscht sich im DarkNet mit anderen aus. Mama, soll ich ihn melden?“ Auch Mama weiß nichts mehr übers Dampfen, sieht nur die bedrohlichen Wolken, konnte Joe, den Bruder ihres Mannes, sowieso noch nie leiden und beide zeigen ungeniert Joe bei den Behörden an. Jetzt geschieht alles ganz schnell: Das Ordnungsamt beschlagnahmt Joes kompletten Bunker. Dampfen sei zwar noch erlaubt, so wird ihm versichert, doch durch sein verantwortungsloses Dampfen im Beisein eines kleinen Häschens belege er die charakterliche Untauglichkeit für den Besitz von Chemikalien und der mittlerweile eh verbotenen Gerätschaften. Ein alter Dampferhase weniger.

„Nun“, sagst du, „welch eine lustige Geschichte!“ Du lachst leicht kopfschüttelnd. Im Hintergrund nimmst du, es ist justamente wieder Polit-Gipfel-Zeit, aus dem TV noch den letzten Satz von Merkels Nachfolgerin wahr. Sie spricht: „… freue ich mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ab Mitternacht als leuchtendes Vorbild unser Handelsabkommen weltweit greift. Somit steht einer neuen Weltordnung, in welcher der Klima- und Gesundheitsschutz die oberste Priorität einnehmen, nichts mehr entgegen.“

Teil 2 „Dampfen tötet“ folgt morgen.

Teaser: „Jana, mach schnell, sie sind uns dicht auf den Fersen!“ Ben streckt der jungen Frau seine Hand entgegen und Jana ergreift sie fest. Sie spürt, wie ihre Beine beim Laufen leichter werden, sie wird gezogen von Bens unfassbarem Tempo und seiner Kraft. Rechts, links um zwei Tonnen herum, ein paar Stufen hinauf, schon erreichen sie die Laderampe. Der Sattelschlepper wartet mit laufendem Motor. „Nun macht schon!“, ruft Anna, die Fahrerin, aus dem Führerhaus. Polizeisirenen sind zu hören …

Ein Kommentar

  1. Hm,
    ein wenig fader Beigeschmack bleibt beim ersten Teil der Geschichte schon, denn leider sind deine Ausgangspunkte teilweise sehr, sehr realistisch. Bin gespannt wie es weitergeht.
    Liebe Grüsse
    Daira

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