Liquidsteuer (2) – Wir sind jetzt in freier Wildbahn

Die Liquidsteuer kommt, das „Tabaksteuermodernisierungsgesetz“ greift, wenn der Handel die vor dem 1. Juli eingekauften Bestände an Nikotin, Base, Aromen und Longfills abverkauft hat, kommt das böse Erwachen. Was können wir tun?

  • Das größte Problem ist die Beschaffung von Nikotin. Die Beschaffung aus dem Ausland ist illegal, auch wenn in einigen Foren zu lesen war, dass das meistens folgenlos blieb – das wird nicht so bleiben, denn der Zoll, jahrelang stark unterbesetzt, bildet derzeit massenhaft neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus. Hierzulande kostet der Liter 20er Nikotin schon bald um 250 Euro und ab 2026 rund 450. Wer dann nicht gebunkert hat, ist selbst schuld, eine spätere Lösung gibt es nicht.

  • Bei der Base sieht die Lage anders aus. Denn Vegetable Glycerin (VG) und Propylenglycol (PG) sind Stoffe, die vielfältige Zwecke erfüllen. Liquidsteuer wird aber nur fällig, wenn diese Flüssigkeiten gedampft werden. Ein Dampfer-Shop bietet Base zu diesem Zweck an. Der Chemiehandel fragt nicht, ob wir uns aus Glycerin – bekannt auch als E422 – eine Handcreme rühren oder es ins Pferdefutter mischen. Die Industrie braucht es auch zur Herstellung von Kerzen, Seife, Lede- und Gummipflege (Türdichtungen), Politur, oder um Kuchenteig feucht zu halten.
    Propylenglycon – auch 1,2-Propandiol und in der EU als E 1520 deklariert – steckt in Zahnpasta und im Deo, ist Lösungsmittel, Hilfsstoff für Arzneimittel, Feuchthaltemittel, Konservierungsmittel, Weichmacher, Frostschutzmittel. Man kann es auch verwenden, um Ohrenschmalz zu entfernen.

    Beide Stoffe sind somit ganz normale Handelsgüter. Wir können sie in Literflaschen oder Kanistern bei Chemiediscountern kaufen oder bei Amazon. Achtet nur auf möglichst große Reinheit, dies wird in den Online-Shops angegeben.
  • Aromen gab es lange, bevor das Dampfen erfunden wurde. Die bekannte polnische Firma Inawera etwa produziert sie als Lebensmittel-Zusatz, und auch Elli’s Aromen, eine Firma aus Lübbecke, verkauft ihre Aromen zum Kochen und Backen. Was natürlich nicht bedeutet, dass man sie nicht dampfen könnte (und deshalb sind uns auch beide Namen bekannt). Das muss man wissen. Ebenso, dass ätherische Öle etwas völlig anderes sind als fette Öle – wobei Letztere für die Lunge gefährlich sind. Wie man sich zurechtfindet? Ganz einfach: Beim Aroma wird stets der Trägerstoff angegeben, gewöhnlich ist das Propylenglycol.. Und PG lässt sich mit fetten Ölen gar nicht mischen … Manchmal kommt sogar der Wink mit dem Zaunpfahl: „Kein ölbasierter Träger“. Wo nichts draufsteht – etwa Kuchen-Aroma aus dem Supermarkt – besser Hände weg.
  • Watte und Draht. Darüber müssen wir eigentlich (noch) gar nicht reden. Es wird sie weiterhin geben, zu unveränderten Preisen – jedenfalls, solange es Dampfer-Shops gibt. Und zur Not kaufen wir Watte (auch Tampons funktionieren!) in der Drogerie und bestellen uns Edelstahldraht zum Wickeln im Imkerbedarf. Und auch Industrie-Akkus in den gewohnten Größen wird es immer geben. Deshalb ist ein Akkuträger mit Wechsel-Akku vorteilhaft.

Zurück zu den Flüssigkeiten. Die Regierung weiß natürlich, dass diese absurd hohe Steuer bei den Gewerbe-Stoffen niemals greifen kann. Sie weiß auch, dass diese Stoffe gleichwohl zum Dampfen tauglich sind. Und bastelt deshalb ein wenig verzweifelt an einer Gesetzes-Ergänzung – nämlich: Wenn du unversteuertes Glycerin im Kuchen futterst, ist das legal. Ziehst du es aber aus dem Verdampfer, begehst du Steuerhinterziehung.

Aber es ist albern zu glauben, dass ein Gesetz, dessen Einhaltung sich nicht überprüfen lässt, irgendeinen Sinn ergäbe. Kurz: Es ist eine Gesetzeslücke, die sich unserer Meinung nach niemals schließen lässt. Eine schöne Erklärung für juristisch Ambitionierte gibt übrigens die Dampfdruckpresse.

Fazit: Wer weiter kostengünstig dampfen will, muss sich nun selbst kümmern, selbst denken, alternative Quellen suchen. Wir sind jetzt in freier Wildbahn. Jeder ist verantwortlich für sich selbst. Auch, wenn die Regierung das Denken für uns immer gern übernimmt – und viele Menschen dafür anscheinend sogar noch dankbar sind …

3 Kommentare

  1. Meine Hand/Gesichtscreme stelle ich schon seit Jahren mit VG her. Ebenso bekommen meine Pferde schon länger VG unter ihr Futter gemischt. Macht das Fell schön samtig und geschmeidig…. 😉

    Meine Frau stellt wunderschöne Kerzen her und braucht unter anderem was dazu? Rischtisch, VG…
    Lebensmittel Aromen verwende ich schon lange. Aber immer schön darauf achten! Immer (ich wiederhole: „IMMER“ auf PG-Basis (Propylenglycol) und Niemals auf ÖLBASIS!!

    Tampons? als Watte Ersatz? 😂😂 Nö, lass mal, das habe ich echt genug. In den letzten zwei Jahren immer wieder mal was mitbestellt. Reicht mir noch seeeeeeeehr lange.

    Akkus brauche ich eh hin und wieder für meine Taschenlampen, wenn dann im kommenden Herbst der Strom rationiert, neben Öl und Gas. Strom ist halt auch so eine Sache für uns E-Dampfer, natürlich ganz schlecht, wenn der hin und wieder abgestellt wird, bzw. rationiert wird. Da hilft ja auch dann kein Mechanisches Dampfen garnienicht…. Großes PROBLEM!!
    Aber Hauptsache wir können alle E-Autos fahren… 😆
    ————————————————————————
    „Fazit: Wer weiter kostengünstig dampfen will, muss sich nun selbst kümmern, selbst denken, alternative Quellen suchen. Wir sind jetzt in freier Wildbahn. Jeder ist verantwortlich für sich selbst.“

    Genau so ist eeeeees… 👍

    „Auch, wenn die Regierung das Denken für uns immer gern übernimmt – und viele Menschen dafür anscheinend sogar noch dankbar sind …“

    Auch da stimme ich dir, „@Dubito“ voll und ganz zu. 👍

    Allen E-Dampfern allzeit gut Dampf

    Bombus

  2. Genauso sehe ich das auch. Ich bin jetzt 64 Jahre alt. Dampfe ohne Nikotin. Momentan habe ich Base 35 Liter im Keller ( dampfe 10 ml am Tag). Somit habe ich Base für 9,5 Jahre. Dann bin ich 73 Jahre. Aromen habe ich mittlerweile ca 8 Liter ( Verschiedene) . Wer jetzt nicht bunkert ist selbst schuld.

  3. Tampons weichklopfen ist mir zu anstrengend 😉
    Eine gute Quelle für Watte ist der Damenfrisör. Die verwenden „Watteschnur“ aus Baumwolle oder Viskose. An einem Kilogramm davon hat man einige Jahre Freude …

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