Die Auswirkung des neuen Steuergesetzes:
Olaf, du hast unsere Flaschen geschrumpft!

Aus Groß mach Klein – aber immerhin, der Preis bleibt wie gewohnt

Frage an Radio Eriwan*: „Stimmt es, dass trotz des neuen Tabaksteuergesetzes eine Flasche Dampfer-Base nächstes Jahr weiterhin rund zehn Euro kosten wird?
Antwort: „Im Prinzip ja, denn niemand würde so meschugge sein, 170 Euro für eine Flasche Base auszugeben. Deshalb werden die Preise pro Flasche werden weiterhin stabil bei etwa 10 Euro liegen. Nur … die Flaschengröße wird sich halt ein wenig ändern und dann 50 ml betragen.“

Olaf Scholz, aus dessen Hause die Vorschläge zur Liquid-Besteuerung kamen, hat unsere Flaschen geschrumpft!

Das Gesetz steht seit Wochen: Ab 1. Juli 2022 wird auf jede Dampf-Flüssigkeit – mit oder ohne Nikotin – eine Steuer von 16 Cent pro Milliliter erhoben. Für 50 ml Base wären das acht Euro Steuer, zusätzlich zur Ware und dem Verpackungsaufwand insgesamt wieder um 10 Euro – so viel, wie heute 1 Liter kostet. Die Literflasche kostet dann mit Steuer mindestens 170 Euro.

Das wird sich kaum noch jemand leisten wollen, und die 1000-ml-Größe wird wahrscheinlich aus den Dampfershops verschwinden. Zumal die Steuer in den Folgejahren weiter steigt. Ab Januar 2026 – in viereinhalb Jahren – liegt sie bei 32 Cent pro Milliliter. Ein Liter Base kostet dann rund 330 Euro.

Mit Folgen für die Preisgestaltung der Hersteller und Händler. Um die Preise so niedrig zu halten, dass man sich den Kauf weiterhin „mal eben“ leisten kann (und will), muss die Konfektionierung angepasst werden. Die Anbieter bereiten sich bereits darauf vor.

Robin Uhlenbruch, Pressesprecher der Westfalenhallen Unternehmensgruppe, schreibt in seiner Vorschau auf die VapersCom am 6. und 7. November:
Durch die Steuererhebung müssen zwangsläufig die Dampfer und Dampferinnen mit steigenden Preisen bei E-Liquids rechnen. Es ist außerdem davon auszugehen, dass einzelne Produktkategorien (wie beispielsweise die sogenannten „Shortfills“) vom Markt verschwinden und stattdessen gebrauchsfertige 10 ml Liquids stärker in den Fokus geraten werden.“

Die Logik entspringt unserer Angst vor hohen Zahlen.

Ein Fertigliquid (10 ml), das heute 5 Euro kostet, wird in einem Jahr für 6,60 Euro über den Tresen gehen, ab 2024 für 7 Euro, ab 2025 für 7,60 Euro und schließlich ab 2026 für 8,20 Euro. Ganz schön happig, aber die Schritte sind vermeintlich klein, die Preise bleiben einstellig und so fällt der Preissprung wenig auf. Aber: Ein Shortfill mit 100 ml, das derzeit für knapp 20 Euro angeboten wird, kostet nächsten Sommer bereits 36 bzw., mit zugesetzter Base, um 40 Euro. Dreieinhalb Jahre später läge der Preis bei rund 56 Euro und würde wohl kaum noch akzeptiert.

Es bleibt abzuwarten, wie viele Dampfer und Dampferinnen der Preissteigerung bei Fertigliquids aus Bequemlichkeit folgen – oder weil sie den wahren Preisanstieg gar nicht erfassen. Es lässt sich aber leicht rechnen: Wer pro Tag 5 Milliliter dampft, kommt auf einen Jahresverbrauch von 1,825 Liter und wird im letzten Schritt jährlich rund 584 Euro Steuer zusätzliche Kosten haben – zusätzlich zum Warenwert.

Der Szene-Kern wird diese Preise sicherlich nicht akzeptieren. Wer sich mit dem Mischen auskennt und diese enormen Kosten scheut, wird Propylenglycol und Glycerin nicht mehr im Dampfershop kaufen, sondern auf dem freien Markt, wo die Stoffe für etliche andere Anwendungen weiterhin zu normalen Preisen abgegeben werden. Zwar wird der Preis für Aroma-Konzentrate genauso steigen wie die von Fertigliquids, doch bei einer Verdünnung auf 2,5 Prozent fällt dies längst nicht so stark ins Gewicht.

Wer auch dort sparen will, wird Lebensmittel-Aromen ausprobieren. Das kann zu Problemen führen. Alle Dampf-Aromen sind zwar grundsätzlich Lebensmittel-Aromen. Gleichwohl müssen nicht alle Lebensmittel-Aromen in der dargebotenen Trägerflüssigkeit dampfbar sein …

*Radio Eriwan ist ein fiktiver Radiosender, der unter dem sozialistisch-kommunistischen Sowjetregime Zuhörerfragen beantwortet. Daraus entstand im 20. Jahrhundert eine eigene Kategorie politischer Witze, die mit „Frage an Radio Eriwan:“ eingeleitet wurden und deren Antworten mit „Im Prinzip ja, aber …“ begannen. (Vergl.: Wikipedia)

2 Kommentare

    1. Stimmt, Umsatzsteuer auf Tabaksteuer.
      Eine Steuer auf eine Steuer ist nicht plausibel, aber durchaus gängig, siehe Benzin. Nur, damit wäre die Rechnung etwa zu kompliziert geworden 😉

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