Das EDF schließt die Pforten –
ein trauriger Tag für die Szene

Relativ unbemerkt von der „Dampfer-Öffentlichkeit“ hat sich Einschneidendes für die Dampfer-Szene ereignet. Seit kurzem kann man im E-Dampfen Forum (EDF) auf der Portalseite und auch im Posting „Registrierung“ lesen, dass eine Registrierung nicht mehr möglich ist, weil das Forum zum 1. März 2022 den „aktiven“ Betrieb einstellt.

Das EDF war ja der legitime Nachfolger des ehemaligen E-Rauchen Forums (ERF), über dessen Schließung ich im Dezember 2017 berichten musste [1]. Über den Wert und auch die Bedeutung des EDF habe ich seinerzeit ausführlich genug geschrieben, weshalb ich das hier nicht wiederholen muss. Auf jeden Fall wurde damit ein Urgestein der deutschen Dampfer-Szene zu Grabe getragen.

Die Abwicklung erfolgte aus privaten Gründen seitens der Betreiberin, wobei sie das sehr verantwortungsvoll gehandhabt hat. Das ERF besteht nach wie vor, allerdings als „read only“ Archiv. Und das ist sehr gut, denn es steckt voll von Informationen, von denen nicht wenige durchaus historische Bedeutung haben (hört sich hochtrabend an, ist aber wirklich so… das ERF war einer der Motoren der Entwicklung des Dampfens in Deutschland und es wurden von Mitgliedern die Grundlagen mit entwickelt, die auch heute noch die Hardware prägen).

Die Formulierung „seinen aktiven Betrieb einstellt“ lässt zumindest hoffen, das dies auch beim EDF auf Dauer so praktiziert wird.

Als das EDF als Nachfolger an den Start ging, konnten die Mitglieder aus rechtlichen Gründen nicht einfach mitgenommen werden. Aber der aktive Teil der Forenmitglieder (schreibend oder auch nur still mitlesend) meldete sich zeitnah im neuen Forum an. So kam das EDF recht schnell auf eine mittlere fünfstellige Mitgliederzahl (beim ERF waren am Ende „auf dem Papier“ nicht ganz 49.000 Mitglieder registriert… damit kann man recht gut abschätzen, wie viele „Karteileichen“ in älteren Foren auf Halde liegen).

Das EDF erreichte aber trotz des Kerns alteingesessener ERF-Foristen nicht die Bedeutung des alten Forums. Das lag sicher mit daran, dass die Pionierjahre des E-Dampfens damals schon vorbei waren. Ich hatte aber, wenn ich da mal vorbeigeschaut habe, auch das Gefühl, dass es nicht gelungen ist, das Flair des ERF zum EDF mitzunehmen. Die aktive Beteiligung hat schließlich immer weiter abgenommen und damit fehlte es auch an einem Argument für Neudampfer, sich dort anzumelden. Beitrags-Flaute ist der schleichende Tod eines Forums.

Über die Gründe der Schließung des EDF ist nicht viel konkretes bekannt. Fakt ist wohl, dass die Betreiberin seit etlichen Monaten verschwunden ist. Sie ist weder telefonisch, noch postalisch oder per E-Mail erreichbar. Sie soll wohl ernsthaft erkrankt sein, was ihr einen Weiterbetrieb nicht möglich macht. Auch eine Übernahme des Betriebs ist anscheinend nicht durchführbar, weshalb sich die Forenleitung dazu entschlossen hat, das Forum zu schließen.

Das ist eine wirklich schlechte Nachricht für die Dampfer-Szene, weil damit nun auch der legitime Nachfolger des legendären ERF von der Bildfläche verschwindet. Ein Stück Dampfer-Geschichte geht damit endgültig zu Ende. Wirklich schade!


[1]: Bad News zum Ende des Jahres

8 Kommentare

  1. Warum auch immer ein E-Dampfen Forum seine Pforten schließt, bleibt wohl ein Geheimnis. Viele gute Deutschsprachige Foren zu dieser Thematik sind ja eh rar gesät. Und jeder möchte und tut das bestmögliche um die Mitglieder bei Laune zu halten. Aber es wird weniger werden. Viel neue Umsteiger wird es künftig nicht mehr geben, die auch gewillt sind sich einem Forum anzuschließen und mit gleichgesinnten zu fachsimpeln über die Thematik E-Dampfen. Der harte Kern der im Moment noch in Foren unterwegs ist, tauscht sich auch weiterhin aus, keine Frage. Über Neuerscheinungen, wo man was und wo noch über kurz oder lang günstig bekommt. Aber mal ehrlich, die Luft zur Thematik ist so ziemlich raus. Alleine schon aus dem Aspekt der bevorstehenden Steuererhöhungen auf alles flüssige.

    Es wird dann überwiegend nur noch ums reine Fachsimpeln gehen für bestimmte Akkuträger und Verdampfer und um bestimmte leckere selbst abgemischten Liquide, Eigenkreationen eben. Ist ja auch in Ordnung. Der Kreis wird aber sicher kleiner und schließt sich letztendlich. Denn irgendwann ist der ganze Dampferkram unerschwinglich und ich habe auch die Befürchtung das sich Hardware über kurz oder lang extrem verteuern wird.

    Es ist natürlich schade das ein weiteres Forum seine Pforten schließt, aber verdenken kann es wahrscheinlich den Leuten auch niemand, irgendwie jedenfalls…

    Bombus

    1. Na ja, in dem Fall scheint es recht klar zu sein, warum das Forum dicht macht. Die Betreiberin ist komplett von der Bildfläche verschwunden. Keiner von der Forenmannschaft kann das einfach übernehmen. Da gibt es einen Vertrag mit dem Provider etc. Eine Übernahme funktioniert nur, wenn dieser Vertragspartner verfügbar ist.

      Sicher hätten sie erneut ein neues Forum aufziehen können… aber vielleicht bestand dahingehend kein Interesse, zumal die Beteiligung eh inzwischen ziemlich mau war.

      Ein Positiv-Beispiel sind in der Hinsicht die Piraten, die das Forum im Kollektiv betreiben und der Ausfall eines einzelnen deswegen am Forum selbst nicht rührt. So wäre das nicht passiert.

  2. Sehr schade, dass es das EDF bald nicht mehr gibt.
    Als Alternative bleiben dann im deutschsprachigen Raum nur 3 übrig, die Dampferzuflucht, das Vapoo Forum, oder das noch relativ neue Forum der Dampf-Piraten, da das Dampferboard inzwischen auch angeschlagen ist.

    1. Die Dampf-Piraten sind die Neuauflage des Dampferboards.
      Dort gab es in der Vergangenheit schon Probleme und Unzufriedenheit mit dem Betreiber, und nachdem ein überraschender (nicht wirklich…) Betreiberwechsel einen denkbar schlechten Start hatte, hat das bisherige Forenteam das Dampferboard verlassen und die Dampf-Piraten gegründet, das nun gleichberechtigt in Eigenregie betrieben wird.
      Die aktiven Mitglieder des Dampferboards sind ziemlich vollständig zu den Dampf-Piraten gewechselt, nach mittlerweile 8 Wochen finden sich dort 80k Beiträge in 1.700 Threads von gut 700 aktiven(!) Mitgliedern.
      Das Dampferboard ist tot, da gibt es neben Karteileichen vielleicht noch ein Duzend mäßig aktiver Alteingesessener. Es tröpfeln Neuanmeldungen rein (ist ja nach wie vor in der Google-Suche oben gelistet), aber nach ein paar Beiträgen kommt da idR auch nix mehr.

  3. Die Vernetzung im Internet hat sich in den letzten 10 Jahren radikal verändert, so dass Foren, egal zu welchen Themen, nicht mehr modern oder alternativlos sind. Die neuen und sich abermals alle paar Jahre wiederum erneuernden sozialen Medien sind die aktuellen Stars am Kommunikationshimmel. Klassische Foren erinnern noch an das Usernet der Desktoprechner der 90er Jahre. Moderne Technik reicht aber für eine Neubelebung der Foren allein nicht aus, hierzu müsste auch ein neuer Geist der Mitglieder Einzug halten, was bis heute nirgendwo zu sehen ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sogar im Internet ungeübte User längst erkannt haben, dass Foren zu Laber-Orten psychisch gestörter Menschen mutiert sind. Es gibt wenige Ausnahmen, wo Fach-Foren heute noch funktionieren. Alle zwei bis fünf Jahre werden Versuche unternommen, Foren neu zu beleben. Bisher erfolglos. Die Zeit der Foren ist schlicht abgelaufen, erst recht jener Foren, die von einer Person oder einer Clique geführt werden und in denen autoritäre gestrige Strukturen vorherrschen.

    Beim E-Dampfen ist überdies zu beobachten, dass die Szene immer schon vergleichsweise recht klein war, seit vielen Jahren entgegen sämtlicher Prognosen kaum wirklich wächst und dass die Leute vielfältig untereinander zerstritten sind (Kommerz vs. Hobby).

    Wie viele älter gewordene Menschen, trauern die treuen Mitglieder der großen Foren den vergangenen guten alten Zeiten nach. Naja, in gewisser Weise ist so etwas normal und eher biologisch zu begründen. Je weiter die gesellschaftliche Ächtung des E-Dampfens voran schreitet, desto schneller schrumpft die eh schon winzige Dampferszene. Ehemals als eine innovative moderne Kraft gefeiert, werden die Dampfer zu ausgegrenzten, den Rauchern gleichgestellten Personen, zu denen niemand gerne freiwillig und öffentlich gehören möchte. Aus dem Stolz, sachkundiger gesundheitsbewusster Menschen eines neuen E-Zeitalters wurden beschämt dreinblickende Raucher-Ersatz-Menschen, die sich diesem negativ geframten Hobby schnell abwenden (und aufhören zu dampfen). Zurück bleibt eine verschworene kleine Gemeinschaft, die sich in Mini-Foren dem Wandel der Zeit widersetzt und fortan als kleine Gruppe Spleeniger gilt. Ähnlich wie Liebhaber von Tabakpfeifen, die sich ebenfalls in winzigen Nischen des Internets ihre Nester gebaut haben.

    Kann diese Entwicklung aufgehalten werden, die noch dazu durch Verbote und Restriktionen des öffentlich Sagbaren (z.B. illegaler Bezugsquellen) forciert wird? Man weiß es nicht, so wie niemand anhand der rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen heute auch nur ein Jahr in die Zukunft schauen kann. Wahrscheinlich (persönliche Glaskugel) werden wir ein Revival des Tabakrauchens erleben. Nonkonformisten und Rebellen des Mainstreams werden demonstrativ zur Tabakzigarette greifen, während die Masse den Genussentagungen folgt. Wann diese Entwicklung dann wiederum kippen wird und das Rauchen abermals zum Mainstream werden wird, der erneut vom innovativen E-Dampfen abgelöst wird, lässt sich erst recht nicht vorhersagen – dass es aber soweit kommt, steht außer Frage, denn alles wiederholt sich. Doch selbst wenn dem so wäre, sehe ich keine technische Fortentwicklung der zweidimensionalen Foren vergangener Zeiten. Foren 2040 werden etwas ganz anderes sein als wir heute kennen.

    1. Social Networks können ein Forum niemals ersetzen. SN sind einfach zu unorganisiert und unsortiert. Das ist ne schnelllebige Angelegenheit zum Sätze bellen, aber weniger für Diskussionsfäden.

      Hey… und das Usenet lebt! Nutze das selbst auch immer noch. 😉 😀

      1. Hehe, wir sind ja ein Teil dieser „ewig Gestrigen“, wir nutzen das Usernet. Die Masse weiß davon aber leider bis heute kaum etwas. Diskussions- und Entwicklungsfäden mutieren überall zu Labersträngen, die ein Alltagsmensch mit immer weniger Zeit (und Muße) angesichts des täglichen Überlebensstrampelns kaum noch verfolgen kann. Der Erfolg von Twitter & Co. liegt m.E. nicht allein in der Faulheit der Leute begründet, sondern in ebendieser fehlenden Zeit für einen ausführlicheren Austausch. Als Resultat – und das ist bei der jungen Generation schon gut zu beobachten – stellt sich das Unvermögen ein, längere Texte überhaupt noch inhaltlich zu verstehen, geschweige denn, selber welche zu verfassen.

        Ich glaube daher nicht an eine Rückbesinnung an die schriftlichen Kommunikationsformen, sondern schätze, dass es anders werden wird – wie genau, das weiß ich nicht, denn bevor etwas nicht da ist, kann man es nicht sehen (vor dem Smartphone hättest du ein Smartphone zwar beschreiben können, doch verstanden, was das ist und welche Bedeutung es gewinnt, hätte es keiner).

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